Bundestag beschließt GKV-Spargesetz

Dramatische Auswirkungen auch auf die Krankenhäuser in OWL

Politisch Verantwortliche sollen Finanzierungsstopp für Tariferhöhungen erklären 

14.07.2026. Die Beschäftigten in den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern gewährleisten tagtäglich die Versorgung der Patientinnen und Patienten. Das haben sie nicht zuletzt während der zurückliegenden Hitzewelle eindrucksvoll bewiesen. Nun jedoch hat der Bundestag mit den Stimmen der Abgeordneten aus den Regierungsfraktionen von Union und SPD, auch aus Nordrhein-Westfalen, mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen, dass ihre mehr als verdienten Tariferhöhungen schon in diesem Jahr nicht mehr vollständig refinanziert werden sollen. Stattdessen sieht das im Gesundheitswesen allgemein bezeichnete GKV-Spargesetz einen allgemeinen Kostendeckel vor, der die Krankenhäuser von der realen Kostensteigerung abkoppelt und ihre wirtschaftliche Basis weiter schwächt.  Zusammen mit dem Wegfall des befristeten Inflationsausgleichs mutet der Bund den Kliniken im kommenden Jahr acht Prozent Erlösverlust zu.

„Das verschärft das wirtschaftliche Defizit der Krankenhäuser enorm. Neue Deckungslücken durch das GKV-Spargesetz können wir nicht einfach überbrücken. Es ist darum nicht nachvollziehbar, dass die den Mitarbeitenden zustehenden Tariferhöhungen nicht mehr vollständig finanziert werden“, sagen die Geschäftsführungen der Krankenhäuser in OWL, zu denen das Klinikum Bielefeld, das EvKB – Evangelisches Klinikum Bethel, die Katholische Hospitalvereinigung Ostwestfalen, das Klinikum Gütersloh und das Klinikum Lippe zählen. Gemeinsam versorgen die fünf Träger rund fünf Prozent aller Krankenhauspatientinnen und -patienten in Nordrhein-Westfalen.

„Wir können das unseren Beschäftigten nicht erklären und sehen die politischen Entscheidungsträger in der Pflicht, dass sie es den Betroffenen erläutern. Konkret: Wie erklären Sie den Mitarbeitenden unserer Krankenhäuser, dass Sie ihnen die Tarifsteigerung nicht mehr voll zugestehen, aber zuvor ein Tariftreuegesetz auf den Weg bringen? Wie nehmen Sie den Mitarbeitenden unserer Krankenhäuser die Sorge um ihren Arbeitsplatz, wenn das von Ihnen verabschiedete GKV-Spargesetz einen Erlösausfall von acht Prozent verursacht und harte Einschnitte erzwingt? Und nicht zuletzt: Wie erklären Sie den Patientinnen und Patienten, wenn als Folge Ihres Gesetzbeschlusses Leistungen abgebaut oder Abteilungen geschlossen werden?“

Besonders deutlich wird die angespannte Lage nach Ansicht der Geschäftsführungen bei der Lohnentwicklung: Die Krankenhäuser in OWL setzen sich dafür ein, die Ergebnisse der Tarifrunden in einer Vergütung abzubilden, die der hohen Verantwortung und Leistung ihrer Mitarbeitenden gerecht wird und ihre Attraktivität als Arbeitgeber stärkt.

Gleichzeitig fordert die Politik höhere Löhne im Gesundheitswesen, entzieht mit dem GKV-Spargesetz aber genau diese Tarifsteigerungen der verlässlichen Refinanzierung. Die wachsende Differenz zwischen Personalkosten und Erlösen zwingt die Kliniken zu Einsparungen und verschärft damit den Fachkräftemangel – gerade auch in Ostwestfalen-Lippe.

Niemand dürfe glauben, dass bei einem solchen Spardruck die Gesundheitsversorgung uneingeschränkt erhalten bleibe.

Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) als trägerübergreifende Interessenvertretung befürchtet, dass der enorme Spardruck dazu führt, dass zuerst defizitäre Abteilungen geschlossen werden. Das könnte auf ganz NRW bezogen insbesondere die Geburtshilfe, die Pädiatrie und die Palliativmedizin treffen. Die deutschen Krankenhäuser verlieren durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz allein 2027 rund 4,6 Milliarden Euro. Hinzu kommt der Verlust von vier Milliarden Euro Inflationsausgleich aus den Vorjahren, der den Kliniken statt dauerhaft nur für ein Jahr gewährt worden ist.

Sicherheit, die man nicht sieht, aber auf die sich alle verlassen

Klinikum Lippe erhält Zertifikat nach DIN EN ISO/IEC 27001:2024 für Informationssicherheit

13.07.2026. Wenn Informationssicherheit im Krankenhaus funktioniert, merkt niemand, wie viel Arbeit dahintersteckt: Patientendaten sind sekundenschnell verfügbar, medizinische Geräte kommunizieren zuverlässig miteinander und sensible Informationen bleiben dennoch geschützt.
Damit das so bleibt, hat das Klinikum Lippe sein Managementsystem für Informationssicherheit jetzt nach der internationalen Norm DIN EN ISO/IEC 27001:2024 zertifizieren lassen. Laut einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Deutschen Krankenhausinstitutes waren im Jahr 2025 weniger als sechs Prozent der Häuser nach dieser Norm zertifiziert. Somit gehört das Klinikum Lippe beim Thema Informationssicherheit zur Spitzengruppe der deutschen Krankenhäuser.

v.l.: Klinikgeschäftsführer Dr. Niklas Cruse und Informationssicherheitsbeauftragter Stefan Rehme freuen sich über die Zertifizierung.

„Informationssicherheit ist längst keine reine IT-Aufgabe mehr. Wir sehen sie als Teil unserer Verantwortung gegenüber unseren Patientinnen und Patienten, denn sie ist in der heutigen Zeit ebenso wichtig wie eine gute medizinische und pflegerische Versorgung nach den neuesten Leitlinien und Standards oder die menschliche Zuwendung“, sagt Dr. Niklas Cruse, Kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikums Lippe. „Mit der Zertifizierung machen wir sichtbar, was täglich im Hintergrund in Punkto Informationssicherheit geleistet wird. Unser Krankenhaus wird durch eine solche Zertifizierung besser – in der betrieblichen Kontinuität, im Datenschutz und letztlich in der Versorgungssicherheit für die Menschen in Lippe.“

Informationssicherheit im Krankenhaus ruht auf mehreren Säulen. Das Klinikum Lippe zählt bereits seit 2017 zur Kritischen Infrastruktur (KRITIS). Damals aufgrund seiner Größe, heute sind alle Krankenhäuser als kritische Infrastruktur eingestuft. Als KRITIS-Einrichtung muss das Klinikum regelmäßig nachweisen, dass es die gesetzlichen Anforderungen an die Informationssicherheit erfüllt. Das erste dieser Audits fand 2019 statt. Geprüft werden die Vorgaben durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Anhand eines umfangreichen Kataloges wird genau erhoben, ob Krankenhäuser informationssicher arbeiten. Werden gefundene Mängel nicht abgestellt, droht ein Bußgeld.

Ansprechpartner für das BSI ist der Informationssicherheitsbeauftragte des Klinikums, Stefan Rehme, der diese Aufgabe seit 2018 wahrnimmt. Er sagt: “Wir erfüllen die gesetzlichen Vorgaben und haben nun mit der erfolgreichen Zertifizierung nach DIN EN ISO/IEC 27001:2024 auch noch die Kür bewältigt.” Die Zertifizierung ist freiwillig und nimmt gezielt das Managementsystem für Informationssicherheit in den Blick. Das bedeutet: Das Klinikum legt selbst seine Sicherheitsziele fest und verbessert sich in einem fortlaufenden Kreislauf aus Planen, Umsetzen, Überprüfen und Nachsteuern. Stefan Rehmes Grundsatz dabei ist so einfach, wie wirkungsvoll: „Schreiben Sie auf, was Sie tun und tun Sie, was Sie aufgeschrieben haben.“ Die Einhaltung der Standards wird in jährlichen Überwachungsaudits und alle drei Jahre im Rahmen einer Rezertifizierung geprüft.

Dass die Zertifizierung so schnell angestrebt wurde, hat einen ernsten Hintergrund. Ende 2022 war das Klinikum Ziel eines Cyberangriffs, der dem BSI gemeldet wurde. „Eine der Lehren aus diesem Vorfall war die Zertifizierung anzustreben, um systematisch potenzielle Sicherheitslücken zu identifizieren und zu schließen“, erinnert sich Rehme. 2023 fiel die Entscheidung der Geschäftsführung für das Zertifizierungs-verfahren. Nach einer externen Analyse begann im Sommer 2023 die intensive Vorbereitung auf die Zertifizierung.

Krankenhäuser stehen bei allen Sicherheitsthemen vor einer besonderen Herausforderung: Anders als viele Wirtschaftsunternehmen mit strengen Einlasskontrollen sind sie bewusst offen gestaltet. Jeder Patient oder Besucher kann und soll ohne Barrieren hineinkommen. Gleichzeitig müssen hochsensible Patientendaten geschützt werden. „Für die Behandlung müssen Patientendaten jederzeit verfügbar sein, aber parallel muss die Vertraulichkeit gewahrt bleiben. Der Schutz der Daten erfolgt auf mehreren Ebenen, stets nach dem Minimalprinzip. So wird der Zugriff auf Daten nur eingerichtet, wenn das für die Erfüllung der eigenen Aufgaben notwendig ist“, erläutert Dr. Jochen Dresselhaus, IT-Leiter des Klinikums Lippe.

Informationssicherheit umfasst im Krankenhaus aber weit mehr als Computer: Sie betrifft digitale, analoge und verbale Informationen – vom Patientendatensatz über das ausgedruckte Dokument bis zum Gespräch auf dem Flur. Und sie reicht über die IT hinaus in Bereiche wie Personalmanagement, Einkauf, technische Infrastruktur und Versorgungstechnik. Auch Partnerunternehmen werden einbezogen: Bei neuen Verträgen wird Informationssicherheit heute standardmäßig mit abgefragt.

Das Klinikum Lippe setzt auch auf regelmäßige Online-Schulungen zur Informationssicherheit für alle Mitarbeitenden sowie auf einen Kulturwandel, der laut Stefan Rehme bereits spürbar ist: “Wurden Maßnahmen der Informationssicherheit im Jahr 2019 noch kritisch beäugt, gehört das Thema heute selbstverständlich zu jeder Mitarbeiterbegrüßung dazu. Am Ende schützt uns kein System und keine Software so gut wie aufmerksame Kolleginnen und Kollegen. Auch in Zeiten von KI und Digitalisierung sind sensible Mitarbeitende die beste Firewall.“

GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz: Krankenhäuser in OWL diskutieren mit der Politik

Gemeinsame Presseinformation des Klinikums Bielefeld, des Evangelischen Klinikums Bethel, des Klinikums Lippe, der Katholischen Hospitalvereinigung Ostwestfalen und des Klinikums Gütersloh
In einem Hintergrundgespräch zu geplanten Kürzungen im Krankenhausbereich haben sich die Geschäftsführungen der großen Krankenhausträger in Ostwestfalen-Lippe intensiv mit Vertretern der Politik über die gravierenden Auswirkungen der aktuellen Sparvorschläge für die Krankenhauslandschaft der Region ausgetauscht.

Vertreterinnen und Vertreter der großen Krankenhausträger in Ostwestfalen-Lippe haben mit rund 30 Bundestags- und Landtagsabgeordneten der Region, Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie weiteren Vertreterinnen und Vertretern aus der Kommunalpolitik über die Auswirkungen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes auf die Krankenhausversorgung gesprochen. Das Gespräch fand im Betheler Krankenhaus Mara in Bielefeld statt. Im Mittelpunkt standen die wirtschaftlichen Folgen der vorgesehenen Einsparungen und die gravierenden Risiken für die qualitativ hochwertige wohnortnahe Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, die daraus resultieren könnten.

An dem Austausch beteiligten sich die Geschäftsführungen des Klinikums Bielefeld, des Evangelischen Klinikums Bethel, des Klinikums Gütersloh, der Katholischen Hospitalvereinigung Ostwestfalen sowie des Klinikums Lippe. Gemeinsam versorgen die fünf Träger rund fünf Prozent aller Krankenhauspatientinnen und -patienten in Nordrhein-Westfalen.

Die Krankenhäuser haben in dem Gespräch die wirtschaftliche Situation der Kliniken anhand konkreter Zahlen dargestellt. Allein der Wegfall des Rechnungszuschlags wird die beteiligten Häuser ab dem Jahr 2027 mit rund 46 Millionen Euro belasten. Sollte das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in seiner aktuellen Form umgesetzt werden, kämen weitere Einschnitte von mehr als 61 Millionen Euro hinzu. Insgesamt würden den fünf Trägern somit jährlich mehr als 107 Millionen Euro an Einnahmen bei gleicher Leistungsmenge fehlen.

„Die Krankenhäuser stehen zu notwendigen Reformen und unterstützen das Ziel, die gesetzliche Krankenversicherung langfristig zu stabilisieren. Gleichzeitig müssen Reformen so ausgestaltet werden, dass die medizinische Versorgung der Menschen vor Ort nicht gefährdet wird“, betonten die Krankenhausvertreter im Gespräch.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Sicherung einer leistungsfähigen Krankenhauslandschaft eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von hoher Relevanz ist. Die Krankenhäuser begrüßten die Bereitschaft der anwesenden Bundes- und Landespolitiker und der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die dargestellten Herausforderungen ernst zu nehmen und in die weiteren politischen Beratungen einzubringen.

Bereits am Freitag haben die Krankenhäuser in einer gemeinsamen Protestaktion symbolisch ihre Krankenhaus-Eingänge geschlossen, um Patientinnen und Patienten auf die erforderlichen Korrekturen der Sparvorhaben aufmerksam zu machen.

Der sehr konstruktive Austausch zwischen den Vertretern der Krankenhäuser und den politischen Gesprächspartnern war dabei von hoher Wertschätzung der in den Krankenhäusern geleisteten Arbeit geprägt. Alle Anwesenden bekräftigten ihren Willen, den Dialog fortzusetzen und gemeinsam tragfähige Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu entwickeln. „Krankenhäuser sind zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge. Wir sichern die Versorgung der Menschen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Deshalb brauchen wir wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die eine qualitativ hochwertige Versorgung auch künftig ermöglichen“, lautete die gemeinsame Botschaft der beteiligten Träger.

In einem Hintergrundgespräch zu geplanten Kürzungen im Krankenhausbereich haben sich die Geschäftsführungen der großen Krankenhausträger in Ostwestfalen-Lippe intensiv mit Bürgermeistern, Bundes- und Landtagsabgeordneten im Krankenhaus Mara in Bethel ausgetauscht.
Foto: Mario Haase

Den Kindern einen Platz geben

20 Jahre Erinnerungsgottesdienst des Klinikums Lippe

Es sind kleine Namen auf großen Herzen. Manche davon wurden nie ausgesprochen. Manche Kinder bekamen auch nie einen Namen – und doch hatten sie längst einen Platz im Leben ihrer Eltern. Sie waren verbunden mit Hoffnungen, mit Zukunftsplänen, mit ersten vorsichtigen Vorstellungen davon, wie das gemeinsame Leben einmal aussehen könnte.

Dann endet eine Schwangerschaft plötzlich. Ein Herz hört auf zu schlagen, bevor das Leben richtig beginnen konnte. Manche Kinder leben nur wenige Wochen im Mutterleib, andere wenige Stunden oder Tage nach der Geburt. Und dennoch hinterlassen sie Spuren – tief und dauerhaft.

Zurück bleiben Eltern, Geschwister, Großeltern, Freunde. Zurück bleiben Fragen, Erinnerungen und oft auch eine Trauer, für die es lange kaum Worte gab. Denn Fehl- und Totgeburten waren über Jahrzehnte ein Thema, über das geschwiegen wurde. Viele Familien mussten ihren Verlust allein tragen.

Im Klinikum Lippe entstand deshalb schon früh ein anderer Umgang mit diesem Schmerz: offen, zugewandt und menschlich. Daraus entwickelte sich vor 20 Jahren der Erinnerungsgottesdienst für verstorbene Kinder – ein Ort für Trauer, Erinnerung und Begegnung. Ein Ort, an dem Kinder einen Platz bekommen. Mit Namen. Oder einfach mit ihrer Geschichte.

Wenn am Freitag, 12. Juni 2026 um 17.00 Uhr in der Erlöserkirche am Markt in Detmold Kerzen leuchten, Musik erklingt und Eltern schweigend nebeneinandersitzen, dann geht es genau um diese Kinder. Um Sternenkinder. Um Erinnerung, um Trauer und darum, dass niemand mit diesem Verlust allein bleiben soll. In diesem Jahr feiert der Erinnerungsgottesdienst für Eltern, die ihr Kind verloren haben, für Familien, Freunde und Freundinnen und für alle, die die Trauer mittragen, sein 20-jähriges Bestehen.

„Früher wurde darüber geschwiegen“

FrauFür Gerlinde Kriete-Samklu ist das Jubiläum auch eine Reise zurück in eine Zeit, in der Fehl- und Totgeburten kaum öffentlich thematisiert wurden. Seit 1998 arbeitet sie als Krankenhausseelsorgerin im Klinikum Lippe – und erinnert sich noch gut an die ersten Begegnungen mit dem Thema.

Schon kurz nach ihrem Start in Detmold fragte sie nach, wie man im Krankenhaus mit Fehlgeburten umgehe. Die evangelische Krankenhausseelsorge habe das Thema damals verstärkt in die Kliniken getragen. Unterstützt wurde sie dabei von einer leitenden Hebamme, die bereits früh sehr sensibel mit betroffenen Familien umging. Doch auch für die Mitarbeitenden selbst sei der Umgang nicht selbstverständlich gewesen. „Hebammen sind eigentlich für das Leben da“, sagt Gerlinde Kriete-Samklu ernst. „Auch die Professionellen mussten damals erst lernen, wie man mit diesem Verlust umgeht.“

Ein kleiner Sarg beim Tag der offenen Tür

Ein Schlüsselmoment folgte 1999. Beim Tag der offenen Tür gestaltete die Krankenhausseelsorge einen Stand – mit einem kleinen Baumsarg. „Viele Frauen blieben stehen und fühlten sich sofort angesprochen“, erinnert sich die evangelische Krankenhausseelsorgerin. Kurz darauf erschien ein Zeitungsartikel mit der zu dieser Zeit ungewöhnlich klaren Überschrift: „Föten enden nicht mehr im Müll“. Die Resonanz sei überwältigend gewesen.

Immer mehr Betroffene meldeten sich. Frauen hätten Gesprächsbedarf gehabt, obwohl ihre Fehlgeburt Jahre zurücklag. Eltern wollten endlich über ihre Kinder sprechen. Aus diesen Begegnungen entstand die Idee eines Erinnerungsgottesdienstes, der im April 2006 erstmals stattfand. „Der alte Andachtsraum platzte mit der Zeit aus allen Nähten“, erzählt Gerlinde Kriete-Samklu. Bald reichte der Platz nicht mehr aus und deshalb wechselte die Veranstaltung später in die Diakonis-Kirche.

„Jetzt hat mir das Gespräch gutgetan“

Der Erinnerungsgottesdienst ist eingebettet in ein umfassendes Begleitangebot für betroffene Familien, das bereits unmittelbar nach dem Verlust des Kindes präsent ist. Viele Rituale, die inzwischen selbstverständlich erscheinen, mussten damals erst entwickelt werden. „Bei einem Stationsbesuch traf ich auf eine betroffene Frau, mit der ich in ein langes Gespräch kam“, erzählt Kriete-Samklu. „Es stellte sich heraus, dass sie im Kreißsaal das Gesprächsangebot abgelehnt hatte. Nun meinte sie: Jetzt hat mir das Gespräch doch gutgetan.“ Bis heute ermutigen die Mitarbeitenden Eltern dazu, ihr Kind anzuschauen, es zu berühren, Fotos zu machen oder ihm einen Namen zu geben. Kriete-Samklu weiß: „Das klingt heute selbstverständlich, war es aber lange nicht.“

Besonders wichtig sei ihr der Blick auf die gesamte Familie – auch auf Geschwisterkinder. „Wir Erwachsenen machen oft den Fehler, Kinder nicht einzubeziehen“, sagt sie. „Kinder spüren ohnehin, dass etwas anders ist. Wenn man schweigt, lernen sie: Wenn etwas Schlimmes passiert, darf man nicht darüber sprechen.“ Dabei gehe es nicht darum, den Schmerz zu nehmen. „Es geht nicht weg“, sagt Kriete-Samklu, „aber gemeinsam kann man es anders aushalten.“

Ein Ort für Erinnerung

Zum Abschied gehören oft kleine Rituale: ein Gebet, ein Segenswort, ein Foto, ein Hand- oder Fußabdruck. Auch die Bestattung der Kinder wurde über die Jahre neu gedacht. Auf dem Kupferbergfriedhof in Detmold gibt es heute eine eigene Gräberfläche für Sternenkinder. Eltern können selbst entscheiden, ob und wie sie ihr Kind bestatten lassen möchten, wenn es unter 500 Gramm wiegt. Ab einem Gewicht von 500 Gramm ist eine Einzelbestattung vorgeschrieben. Schon in der Klinik erhalten Eltern Hinweise auf Selbsthilfegruppen und Beratungsangebote.

Eine dieser Gruppen begleitet heute Kathrin Walther. Sie weiß selbst, wie sich der Verlust eines Kindes anfühlt. Ihr Sohn Felix starb 2015 während der Schwangerschaft. Lange suchte sie nach Menschen, die ihre Erfahrung teilen konnten. Schließlich fand sie den Gesprächskreis Sternenkinder in Detmold. Sternenkinder – so werden Babys genannt, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Der Austausch mit anderen Betroffenen habe ihr geholfen, mit der eigenen Trauer umzugehen.

Und deshalb engagiert sich Kathrin Walther heute selbst für betroffene Familien. Sie begleitet den Gesprächskreis Sternenkinder Lippe, eine Selbsthilfegruppe für Eltern, die ihr Kind während der Schwangerschaft, bei oder kurz nach der Geburt verloren haben. Dort finden Mütter und Väter Raum für Austausch, Verständnis und gegenseitige Unterstützung – oft mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Neben persönlichen Treffen informiert die Initiative auch online über Hilfsangebote, Trauerbegleitung und Ansprechpartner. Weitere Informationen finden Betroffene unter sternenkinder-lippe.de.

Erinnerungsgottesdienst

Der Erinnerungsgottesdienst wird einmal jährlich gemeinsam von Hebammen, Kinderkrankenschwestern, Kinderärzten, Gynäkologen und der Krankenhausseelsorge gestaltet. Viele ehemalige Betroffene kommen jedes Jahr wieder.

Jeder Gottesdienst steht unter einem eigenen Thema. Noch nie habe sich eines wiederholt, sagt Kriete-Samklu. In diesem Jahr lautet es: „Herz“. Musik spielt dabei eine besondere Rolle, denn sie kann Trost spenden, wenn Worte es nicht vermögen. Es gibt auch eigens geschriebene Lieder und Trostgeschichten für Familien. Seit vielen Jahren verfasst die niedergelassene Kinderärztin Dr. Natalie Hellermann Geschichten für den Gottesdienst.

Und vielleicht beschreibt genau das den Kern dieser besonderen Veranstaltung: Erinnerung sichtbar machen. Den Kindern einen Platz geben. Und den Eltern und Familien die Gewissheit, dass ihre Trauer bleiben darf.

Abschied mit Dankbarkeit

Langjähriger Chefarzt der Gefäßchirurgie geht in den Ruhestand – Priv.-Doz. Dr. René Rusch übernimmt die Klinikleitung

Das Klinikum Lippe hat in dieser Woche Abschied genommen von Prof. Dr. Masoud Mirzaie, der nach rund 20 Jahren als Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist. In einer Feierstunde würdigten Geschäftsführung, Kolleginnen und Kollegen sowie langjährige Wegbegleiter das außerordentliche Wirken eines Arztes, der die Gefäßchirurgie am Klinikum Lippe über zwei Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat.

Prof. Dr. Mirzaie, geboren in Teheran, brach als junger Mann auf, um Medizin zu studieren und seinen Lebensweg als Arzt zu gehen. Diese frühe Erfahrung des Neuanfangs und der Verantwortung hat seinen Blick auf den Beruf dauerhaft geprägt: Medizin war für ihn nie nur Technik, sondern immer auch Haltung. Der Mensch hinter der Diagnose stand für ihn stets im Mittelpunkt.

Am Klinikum Lippe baute er die Klinik für Gefäßchirurgie mit fachlicher Expertise, Weitblick und Kontinuität auf und aus. Dabei legte er besonderen Wert darauf, dass medizinische Entscheidungen im Team getroffen werden – auf Basis von Wissen, Erfahrung und offenem Austausch. Eine Operation, so seine Überzeugung, sollte immer das letzte Mittel sein, nie der erste Gedanke.

Neben seiner fachlichen Exzellenz war es vor allem seine menschliche Art, die viele im Klinikum Lippe beeindruckt hat: seine Ruhe in schwierigen Situationen, seine Zugewandtheit gegenüber Patientinnen und Patienten wie Mitarbeitenden gleichermaßen, und seine Fähigkeit zuzuhören. Er hinterlässt nicht nur eine gut aufgestellte Klinik – er hinterlässt eine Haltung und bleibt so Teil der Geschichte des Klinikums Lippe. Das gesamte Haus dankt ihm für zwei Jahrzehnte Engagement, Loyalität und Menschlichkeit – und wünscht ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.

Die Leitung der Klinik für Gefäßchirurgie hat Priv.-Doz. Dr. René Rusch übernommen. Der 46-Jährige bringt umfassende klinische Expertise und wissenschaftliche Erfahrung mit und steht für eine moderne, evidenzbasierte Gefäßmedizin. Er übernimmt eine Klinik, die auf einem starken Fundament steht – und die Herausforderungen wie Möglichkeiten der Zukunft mit einem erfahrenen Team angehen wird.

Finden statt Suchen

Klinikum Lippe bietet Indoor-Navigations-App an

Orientierung im Krankenhaus kann herausfordernd sein – besonders für Patientinnen und Patienten, Besuchende oder neue Mitarbeitende. Mit der „Klinikum Lippe Navi“-App bietet das Klinikum Lippe ab sofort eine digitale Lösung, die den Weg durch die Gebäude deutlich erleichtert.

Die App ermöglicht eine präzise Navigation innerhalb der Standorte Detmold und Lemgo und führt Nutzerinnen und Nutzer schnell und zuverlässig zu Stationen, Ambulanzen, Untersuchungsbereichen oder Servicepunkten. „Navigation wie bei Google Maps kennen wir alle aus unserem Alltag. Bei uns ist sie nun auch Indoor möglich“, erklärt Dr. Georg Langebartels, Chief Digital Officer und seit 2025 verantwortlich für die Digitalstrategie des Klinikums Lippe.

Die Indoor-Navigations-App richtet sich gezielt an Patientinnen und Patienten, Besuchende, Studierende sowie Gäste und sorgt für eine entspannte Orientierung im komplexen Klinikalltag. Grundlage ist eine intuitive Bedienung: Nach dem Download der App wählen Nutzer ihr Ziel aus und starten direkt die Routenführung. Voraussetzung ist lediglich ein aktiviertes Bluetooth-Signal auf dem Smartphone. Im Fokus der Navigations-App steht ein klarer Mehrwert: „Finden statt suchen“ – die App führt ohne Umwege durch das Gebäude und trägt so dazu bei, Wege effizienter und stressfreier zu gestalten. Die „Klinikum Lippe Navi“ App ist kostenfrei im App Store und bei Google Play verfügbar.

„Der Launch der App ist Teil der fortlaufenden Digitalisierungsstrategie des Klinikums Lippe, die darauf abzielt, Prozesse zu optimieren und die Servicequalität kontinuierlich zu verbessern. Davon profitieren unsere Patientinnen und Patienten, aber letztlich auch unsere Mitarbeitenden. Was andere Branchen schon lange vormachen, soll nun auch an Krankenhäusern in Deutschland etabliert werden. Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) und damit verbundene Fördermöglichkeiten versetzen uns in die Lage, zielgerichtet digitaler zu werden“ betont Dr. Langebartels.

Neben der „Klinikum Lippe Navi“-App haben er und sein Team gemeinsam mit der Klinik-IT und der Patientenaufnahme in den letzten Monaten weitere wichtige digitale Entwicklungen angestoßen. Über das Patientenportal klinikum-lippe.de/patientenportal können ambulante Termine in verschiedenen Bereichen online gebucht werden. Im Laufe des Jahres kommen immer mehr Fachabteilungen hinzu. Ebenso in Vorbereitung sind Patienten-Check-In-Terminals. An ihnen können Patientinnen und Patienten in Detmold und Lemgo künftig selbst einchecken, wenn sie einen Termin im Klinikum Lippe haben und Wartzeiten vermeiden möchten.

Mehr Informationen: Klinikum Lippe Navi

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Frischer Wind für die Pflege: 21 Talente, sieben Nationen, ein Ziel

Mit großer Freude begrüßten die Schulen für Pflegeberufe Herford/Lippe GmbH gemeinsam mit den Kreiskliniken Herford-Bünde und dem Klinikum Lippe am 1. April insgesamt 21 Auszubildende, die ihre dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann aufnehmen. Sieben Auszubildende davon fangen ihre Karriere beim Klinikum Lippe an.

Der Ausbildungsstart markiert nicht nur den Beginn eines neuen beruflichen Lebensabschnitts, sondern steht auch für gelebte Vielfalt und internationale Zusammenarbeit: Die neuen Auszubildenden stammen aus sieben verschiedenen Ländern und bringen damit eine beeindruckende Bandbreite an kulturellen Hintergründen, Sprachen und Erfahrungen mit.

„Unsere neuen Auszubildenden spiegeln die Realität der modernen Pflege wider: International, engagiert und voller Motivation“, betont Kursleiter Dirk Zimmermann von der Schulen für Pflegeberufe Herford/Lippe GmbH. „Diese Vielfalt ist ein großer Gewinn für uns alle: die Teams in den Einrichtungen, für die Patientinnen und Patienten und nicht zuletzt für die Auszubildenden selbst, die voneinander lernen und gemeinsam wachsen können.“

Der Startschuss fiel mit einem gemeinsamen Einführungstag, an dem es weniger um harte Lerninhalte als vielmehr um das Ankommen ging. Sich kennenlernen, Orientierung im Schulalltag finden und ein echtes Teamgefühl entwickeln standen ganz oben auf der Agenda. Die generalistische Pflegeausbildung qualifiziert die Auszubildenden für ein breites Spektrum pflegerischer Tätigkeiten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten. Sie verbindet theoretische Grundlagen mit intensiven Praxiseinsätzen und eröffnet vielfältige berufliche Perspektiven.

Für die Region ist der Kursstart ein wichtiger Schritt, um die Versorgung auch in Zukunft auf sichere Beine zu stellen. Wir wünschen allen Auszubildenden einen guten Start und eine erfolgreiche Ausbildung.

Interesse an einer Karriere in der Pflege? Bewerbungen für den nächsten Starttermine am 1. August und 1. Oktober sind jederzeit willkommen.

Text und Bild: Schulen für Pflegeberufe Herford/Lippe, Yvonne Berthiot

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