Stifterinnen und Stifter informieren sich über die Zukunft der Universitätsmedizin am Klinikum Lippe

Wie entwickelt sich die Universitätsmedizin in Ostwestfalen-Lippe und welche Chancen ergeben sich daraus für die Gesundheitsversorgung in der Region? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Stiftertreffens der Gesundheitsstiftung Lippe, das am 12. Oktober 2026 im Kongresszentrum Campus 9 am Klinikum Lippe in Detmold stattfand.

Rund 20 Stifterinnen und Stifter aus Wirtschaft, Gesellschaft und öffentlichem Leben waren der Einladung gefolgt. Gemeinsam mit Mitgliedern des Vorstands und des Kuratoriums der Gesundheitsstiftung Lippe informierten sie sich über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der Universitätsmedizin am Campus Klinikum Lippe.

Nach der Begrüßung durch Christian Ritterbach, Geschäftsführer der Gesundheitsstiftung Lippe, stand ein Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Michel Eisenblätter im Mittelpunkt der Veranstaltung. Unter dem Titel „Universitätsmedizin in Lippe – Chancen und Perspektiven“ gab er Einblicke in die Entwicklung des Universitätsklinikums OWL am Campus Klinikum Lippe.

Patientenversorgung, Forschung und Lehre eng miteinander verknüpft

Anhand konkreter Beispiele zeigte Prof. Eisenblätter, welche Fortschritte in den vergangenen Jahren erreicht wurden und welche Möglichkeiten sich durch die universitäre Entwicklung für die Zukunft eröffnen. Dabei ging er insbesondere auf innovative Versorgungskonzepte, wissenschaftliche Kooperationen und neue Projekte ein.

Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Michel Eisenblätter informierte beim Stiftertreffen im Campus 9 über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der Universitätsmedizin in Ostwestfalen-Lippe. (Foto: Gesundheitsstiftung Lippe/Christian Ritterbach)

Deutlich wurde, wie eng die medizinische Versorgung der Menschen in Lippe inzwischen mit universitärer Forschung und Lehre verbunden ist. Die Universitätsmedizin eröffnet neue Perspektiven für die Weiterentwicklung der medizinischen Angebote und stärkt zugleich den Gesundheitsstandort Lippe.

Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Gäste die Gelegenheit, Fragen zu stellen und über die zukünftige Entwicklung der Universitätsmedizin zu diskutieren. Bei einem gemeinsamen Imbiss wurde der persönliche Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Stiftung, des Kuratoriums und des Klinikums Lippe fortgesetzt.

Die Gesundheitsstiftung Lippe unterstützt mit ihrem Netzwerk aus engagierten Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen die Förderung von Gesundheit, Wissenschaft und gesellschaftlichem Engagement in der Region. Das jährliche Stiftertreffen bietet die Gelegenheit, Einblicke in aktuelle Entwicklungen zu erhalten und den Austausch zwischen den Unterstützerinnen und Unterstützern und dem Klinikum Lippe zu vertiefen.

Sehen, steuern und jetzt auch spüren: Klinikum Lippe setzt brandneue Technologie in der robotischen Chirurgie ein

Europaweit erste Operation mit innovativen Force-Feedback-Instrumenten in der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

07.10.2026. Sehen, steuern und jetzt auch spüren: Das Klinikum Lippe erweitert die Möglichkeiten der robotisch assistierten Chirurgie. Am 7. Oktober 2026 hat das Team der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie als eine der ersten Kliniken in Europa eine Operation mit den neuen Force-Feedback-Instrumenten am da Vinci 5 durchgeführt. Die innovative Technologie ermöglicht es den Operateurinnen und Operateuren, die auf das Gewebe einwirkenden Kräfte während eines Eingriffs unmittelbar wahrzunehmen.

Wenn ein Chirurg das Skalpell ansetzt, spürt er genau, welchen Druck er auf das Gewebe ausüben muss. Dies ist ab sofort auch bei robotisch assistieren Operationen möglich. Spezielle Sensoren in den Instrumenten erfassen Druck-, Zug- und seitlich wirkende Kräfte in Echtzeit. Diese werden über die Handsteuerung an der Konsole des da Vinci 5 übertragen. Zusätzlich zeigt das System die ausgeübte Kraft während des Eingriffs visuell an. Die Sensoren erfassen die auftretenden Kräfte rund eintausend Mal pro Sekunde.

Damit ergänzt Force Feedback die bislang vor allem visuell geprägte robotische Chirurgie um eine zusätzliche Informationsebene. Chirurginnen und Chirurgen können das Operationsgebiet nicht nur hochauflösend, dreidimensional und vergrößert sehen, sondern erhalten zugleich eine direkt spürbare Rückmeldung darüber, welche Kräfte sie mit den Instrumenten auf das Gewebe ausüben.

„Mit Force Feedback bekommen wir während der Operation eine zusätzliche Information, die für uns Chirurginnen und Chirurgen sehr wertvoll ist. Wir können unmittelbar wahrnehmen, welche Kräfte wir mit den Instrumenten auf das Gewebe ausüben. Das unterstützt uns dabei, unsere Bewegungen noch kontrollierter und differenzierter einzusetzen“, sagt Dr. Michael Leitz, Leitender Arzt und Bereichsleiter Robotische Chirurgie der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Er hat am 7. Oktober 2026 den ersten Patienten in Europa mit dem neuen System operiert und bestätigt, „Die haptische Komponente des Da Vinci-Systems ist ein wichtiger Entwicklungsschritt in der robotischen Chirurgie. Wir haben heute mit der neuen Methode eine rechtsseitige Hemikolektomie – also eine Entfernung des rechten Dickdarmabschnittes – durchgeführt. Bei dieser Operation wird der vom Tumor betroffene Darmbereich mit dem gesamten Lymphabflussgebiet entfernt. Dann müssen die Darmenden wieder miteinander verbunden werden. Mit den Force Feedback-Instrumenten war insbesondere die Naht subjektiv besser umzusetzen als bei der herkömmlichen Robotik.“

Das OP-Team nach dem ersten Einsatz der Force Feedback-Instrumente am DaVinci im Klinikum Lippe. (© Klinikum Lippe)

Robotisch assistierte Chirurgie ist am Klinikum Lippe bereits seit Jahren etabliert. Mit insgesamt vier da-Vinci-Operationssystemen an den Klinikstandorten Detmold und Lemgo verfügt das Klinikum Lippe über eine umfangreiche technische Ausstattung für robotisch assistierte Eingriffe. Neben der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie nutzen auch die Universitätsklinik für Urologie, die Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie die Klinik für Thoraxchirurgie die Systeme für spezialisierte Operationen.

Am Klinikum Lippe wurden mit Unterstützung des DaVinci-Systems im Jahr 2026 bis Oktober insgesamt 877 operative Eingriffe durchgeführt. Die Nachfrage durch die Patienten für diese Operationstechnik steigt. In der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie werden inzwischen nahezu alle gängigen Operationen robotisch assistiert durchgeführt. Dazu gehören unter anderem Eingriffe an Magen, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Leber und Gallenblase sowie die Versorgung von Bauchwandbrüchen.

„Die robotische Chirurgie hat uns bislang vor allem eine hervorragende dreidimensionale Sicht und eine sehr präzise Instrumentenführung ermöglicht. Mit Force Feedback kommt jetzt eine entscheidende Dimension hinzu: Wir erhalten eine unmittelbare Rückmeldung darüber, wie viel Kraft auf das Gewebe wirkt. Gerade bei komplexen Operationen und der Präparation empfindlicher Strukturen ist das ein wichtiger technologischer Fortschritt. Gleichzeitig entstehen objektive Daten, die wir für die Analyse von Eingriffen, die chirurgische Weiterbildung und perspektivisch auch für wissenschaftliche Fragestellungen nutzen können“, sagt Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner, Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Die neuen Force Feedback-Instrumente haben im September 2026 die CE-Kennzeichnung für den europäischen Markt erhalten. Bislang waren sie in Japan und den USA im Einsatz.

Movember: „Männer, kümmert euch um eure Gesundheit“

Universitätsklinik für Urologie setzt Fokus auf Männergesundheit

Wer Prof. Dr. med. Karl-Dietrich Sievert begegnet, muss nicht bis zum November warten, um einen „Mo“ zu sehen. Der Direktor der Universitätsklinik für Urologie am Klinikum Lippe trägt selbst Schnurrbart – und das nicht nur im Aktionsmonat. Doch der „Movember“ liegt ihm besonders am Herzen. Denn zu dieser Zeit wird in jedem Jahr der Schnurrbart, englisch „Moustache“, weltweit zum sichtbaren Zeichen für ein Thema, das deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient: die Gesundheit von Männern.

Porträt Chefarzt

Univ.-Prof. Dr. Karl-Dietrich Sievert ist es wichtig, im Movember über die Prostatavorsorge aufzuklären.

„Der Movember-Schnurrbart sorgt für Aufmerksamkeit und bringt Menschen miteinander ins Gespräch. Genau das brauchen wir bei der Männergesundheit“, sagt Prof. Sievert. „Noch immer gibt es Themen, über die viele Männer ungern sprechen oder die sie zu lange vor sich herschieben. Der Aktionsmonat ist eine gute Gelegenheit, daran etwas zu ändern.“

Im „Movember“ rücken jedes Jahr im November Themen wie Prostata- und Hodenkrebs, psychische Erkrankungen, sexuelle Gesundheit und Suizidprävention in den Mittelpunkt. Das Klinikum Lippe unterstützt die internationale Aktion und appelliert an Männer, Beschwerden ernst zu nehmen und Angebote zur Früherkennung zu nutzen.

„Viele Männer kennen die Motorleistung ihres Autos genau, wissen aber nur wenig über ihre persönlichen Gesundheitswerte“, sagt Prof. Sievert. Unter dem Motto „Der TÜV für den Mann“ möchte er dazu ermutigen, sich mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen. „Vorsorge sollte für Männer ebenso selbstverständlich sein wie die regelmäßige technische Kontrolle des Autos. Entscheidend ist, nicht erst dann ärztlichen Rat zu suchen, wenn Beschwerden den Alltag bereits deutlich beeinträchtigen.“

Ein Zahlenvergleich verdeutlicht, warum Männergesundheit mehr Aufmerksamkeit benötigt: Im Jahr 2025 kamen in Deutschland 2.832 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. An den Folgen von Prostatakrebs sterben deutschlandweit jährlich rund 14.300 Männer – mehr als fünfmal so viele Menschen. „Die Verkehrssicherheit wurde über Jahrzehnte durch klare Regeln, technische Verbesserungen und konsequente Prävention deutlich erhöht“, erklärt Prof. Sievert. „Auch bei der Männergesundheit können Aufklärung, Vorsorge und frühzeitige Diagnostik dazu beitragen, Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern.“

Eine besondere Rolle spielt die Früherkennung von Prostatakrebs. Die Erkrankung ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Das Risiko steigt insbesondere mit zunehmendem Alter. Ein möglicher Bestandteil der Früherkennung ist die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens, kurz PSA, im Blut. Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Prostatakrebs vorliegt. Auch gutartige Veränderungen oder Entzündungen können den Wert beeinflussen.

„Der PSA-Test sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden“, erklärt Prof. Sievert. „Wichtig sind eine ärztliche Beratung, die persönliche Risikosituation und eine gemeinsame, informierte Entscheidung über die weitere Diagnostik.“ Bei auffälligen Befunden stehen heute moderne Untersuchungsverfahren wie die multiparametrische Magnetresonanztomografie zur Verfügung. Sie können dabei helfen, das individuelle Risiko genauer einzuschätzen und unnötige Eingriffe zu vermeiden.

Auch Hodenkrebs gehört zu den zentralen Themen des Movember. Zwar ist er insgesamt selten, bei jüngeren Männern jedoch eine der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen. Tastbare Verhärtungen, Schwellungen, Größenveränderungen oder ein Schweregefühl im Hoden sollten deshalb zeitnah urologisch abgeklärt werden. Früh erkannt, lässt sich Hodenkrebs in der Regel gut behandeln.

Univ.-Prof. Dr. Karl-Dietrich Sievert bietet im Oktober und November mehrere kostenlose Vorträge zur Männergesundheit aus der Perspektive des Urologen an. Er sagt: „Ich würde mich sehr freuen, viele Männer zu den Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.“

Mittwoch, 14.10.2026, 19 bis 20.30 Uhr
Kooperation mit der Volkshochschule Detmold-Lemgo
Männergesundheit: Prostatakrebs – Was muss Mann wissen?
Veranstaltungsort: Kalletal-Hohenhausen, Bürgerhaus am Markt, Vortragsraum
Anmeldung: über die Volkshochschule

Dienstag, 03.11.2026, 18 bis 19 Uhr
Kooperation mit dem Weserrenaissance-Museum Schloss Brake
„Visite im Museum“ – Stark bleiben: Männergesundheit im Fokus
Veranstaltungsort: Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, Lemgo-Brake
Anmeldung: über Weserrenaissance-Museum

Donnerstag, 19.11.2026, 16 bis 19.45 Uhr
Jubiläumsveranstaltung „10 Jahre Prostatazentrum Lippe“
Veranstaltungsort: Campus 9, Detmold

Klinikum Lippe bietet ab sofort Lungenkrebsscreening an Lungenkrebszentrum Lippe-Weserbergland verkündet Neuigkeit beim Lungenkrebsforum 21.09.2026. Das Klinikum Lippe erweitert sein Angebot um die Früherkennung von Lungenkrebs: Ab sofort kann am Klinikum […]

„Ich mache alles – nur keine OP“

Nach der Diagnose Speiseröhrenkrebs entschied sich Wolfgang Benning bewusst gegen eine Operation. An der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL, Campus Klinikum Lippe, fand der 71-Jährige aus Wesel mit der ESORES-Studie einen alternativen Behandlungsweg – und neue Hoffnung.

v.l.n.r.: Dr. Fabian Nimczewski, Patient Wolfgang Benning und Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner (©Klinikum Lippe / Mandy Lange)

Als Wolfgang Benning im August 2025 einen Untersuchungstermin bei seinem Hausarzt vereinbart, fühlt er sich eigentlich gesund. Keine Schmerzen, keine Schluckbeschwerden, kein Gewichtsverlust. Und doch drängt ihn die Angst zum Termin. Zuvor war in seiner Familie Speiseröhrenkrebs diagnostiziert worden – eine Erfahrung, die ihn schließlich selbst zur Untersuchung bewegte. „Ich wollte einfach Gewissheit“, erinnert sich der 71-Jährige aus Wesel.

Die Untersuchung bringt genau die Diagnose, die er befürchtet hatte: Auch bei ihm wird ein Ösophaguskarzinom festgestellt – Speiseröhrenkrebs. Eine Erkrankung, die häufig erst spät erkannt wird, weil Symptome wie Schluckstörungen oder Gewichtsverlust oft erst in fortgeschrittenen Stadien auftreten. Für Wolfgang Benning ist die Diagnose ein Schock. Vor allem, weil er den Krankheitsverlauf seines Bruders hautnah miterlebt hat. Dieser hatte sich für die klassische Behandlung aus Chemotherapie, Operation und anschließender weiterer Therapie entschieden, verstarb aber wenige Wochen nach der OP. Deshalb stand für ihn fest: „Diese Operation möchte ich nicht.“

Die Suche nach einer anderen Behandlungsmöglichkeit führt ihn schließlich ins Internet – und von dort an die Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL, Campus Klinikum Lippe. Hier stößt er auf Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner und auf die sogenannte ESORES-Studie. Diese klinische Studie beschäftigt sich mit einer zentralen Frage moderner Krebsmedizin: Muss jede Patientin und jeder Patient mit Speiseröhrenkrebs nach erfolgreicher Vorbehandlung automatisch operiert werden – oder kann in ausgewählten Fällen auf die große Operation verzichtet werden?

„Die Behandlung von Speiseröhrenkrebs verändert sich derzeit grundlegend“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner, Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL, Campus Klinikum Lippe in Detmold. „Durch moderne Chemo-, Immun- und Strahlentherapien sehen wir bei einigen Patientinnen und Patienten eine komplette Rückbildung des Tumors in der Speiseröhre. Die ESORES-Studie untersucht deshalb, ob wir ausgewählten Betroffenen eine große Operation ersparen können, ohne dabei die Sicherheit dieser Patienten zu gefährden.“

Hintergrund der Studie ist die Beobachtung, dass bei manchen Patientinnen und Patienten nach der Vorbehandlung keine lebenden Tumorzellen mehr nachweisbar sind. Bisher gilt die Operation, an deren aktuellen Therapieleitlinien Höppner ebenfalls beteiligt war, dennoch als Standardtherapie. Die ESORES-Studie untersucht deshalb ein sogenanntes „Active-Surveillance-Konzept“ – also eine engmaschige Überwachung statt sofortiger Operation.

Dafür werden die teilnehmenden Patientinnen und Patienten regelmäßig untersucht. Zum Kontrollprogramm gehören unter anderem Computertomographie, Magenspiegelungen, endoskopischer Ultraschall sowie Gewebeproben. Ziel ist es, mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und nur dann zu operieren, wenn dies tatsächlich notwendig wird.

Genau dieser Ansatz gibt Wolfgang Benning Hoffnung. „Ich habe Prof. Höppner und Dr. Nimczewski im Internet gefunden und nicht mehr lockergelassen“, erzählt er mit einem Lächeln. „Ich habe gesagt: Ich mache alles – nur keine OP.“ Damit beginnt für ihn ein anderer Weg. Er erhält wohnortnah Chemotherapie und Immuntherapie und wird gleichzeitig in das engmaschige Nachsorgeprogramm der ESORES-Studie am Klinikum Lippe eingebunden. Alle drei Monate fährt er nun rund 200 Kilometer von Wesel nach Detmold. Die regelmäßigen Untersuchungen gehören inzwischen fest zu seinem Alltag.

„Das Entscheidende bei diesem Konzept ist die intensive und engmaschige Überwachung“, erklärt Dr. Fabian Nimczewski, Oberarzt der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Wir kontrollieren sehr genau, ob sich erneut Tumorzellen nachweisen lassen. Sollte das der Fall sein, kann gemeinsam mit dem Patienten die Entscheidung für eine Operation immer noch getroffen werden. Dieses Vorgehen bedeutet aber für viele Patientinnen und Patienten eine echte Chance auf mehr Lebensqualität.“

Die Untersuchungen dauern meist ein bis zwei Tage. Nach der Magenspiegelung mit Sedierung darf Wolfgang Benning nicht selbst nach Hause fahren. Seine Partnerin begleitet ihn deshalb häufig nach Detmold. „Ich fühle mich hier wirklich gut aufgehoben“, sagt er. „Das Personal ist unglaublich freundlich und zuvorkommend.“

Heute, rund neun Monate nach Beginn seiner Behandlung, ist vom Krebs nichts mehr nachweisbar. „Der Krebs ist weg“, sagt Benning ruhig. Zweifel an seiner Entscheidung gegen die Operation habe er bis heute keine. Er sagt: „Für mich war das genau der richtige Weg.“

Seine Lebensqualität ist geblieben, aber sein Alltag hat sich verändert. Heute achtet er stärker auf sich selbst. Vor allem seine Ernährung hat er umgestellt. „Früher mochte ich nichts Grünes“, erzählt er lachend. „Heute esse ich deutlich gesünder.“ Die Krankheit hat ihn verändert. Stundenlang habe er recherchiert, medizinische Fachbegriffe gelernt und sich intensiv mit seiner Erkrankung beschäftigt. „Mittlerweile bin ich fast selbst Professor“, sagt er lächelnd. Trotz aller Ernsthaftigkeit blickt er positiv in die Zukunft. Die regelmäßigen Kontrollen geben ihm Sicherheit. Die Angst sei nie ganz verschwunden, aber sie bestimme sein Leben nicht. „Bis jetzt war immer alles unauffällig“, sagt er. „Und ich hoffe natürlich, dass das so bleibt.“

Speiseröhrenkrebs zählt zu den vergleichsweise seltenen, aber besonders aggressiven Tumorerkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich rund 8.000 Menschen neu an einem sogenannten Ösophaguskarzinom. Medizinisch werden dabei zwei Hauptformen unterschieden: das Plattenepithelkarzinom, das häufig mit Rauchen und Alkoholkonsum in Verbindung gebracht wird, sowie das Adenokarzinom, das oft durch chronischen Reflux, also dauerhaftes Sodbrennen, und Übergewicht begünstigt wird. Besonders die Zahl der Adenokarzinome ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen.

Gerade deshalb gewinnt die Forschung zu neuen Behandlungsmöglichkeiten zunehmend an Bedeutung. An der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL, Campus Klinikum Lippe, werden moderne Therapiekonzepte und klinische Studien gezielt in die Patientenversorgung eingebunden.

„Die Behandlung von Speiseröhrenkrebs verändert sich derzeit grundlegend“, betont Prof. Dr. Jens Höppner. Moderne Therapieansätze eröffneten heute Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren kaum denkbar gewesen seien. Er ergänzt: „Klinische Studien sind ein wichtiger Bestandteil moderner Universitätsmedizin. Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten schon heute innovative und zugleich möglichst schonende Therapiekonzepte zugänglich zu machen.“

Für Wolfgang Benning zählt am Ende vor allem eines: Lebensqualität. „Ich kann meinen Alltag ganz normal leben“, sagt er. „Und dafür bin ich einfach dankbar.“

Informationen zur ESORES-Studie am Klinikum Lippe

Univ.-Prof. Dr. René Staritzbichler übernimmt Professur für Physikalische und Digitale Labordiagnostik am Klinikum Lippe

Gruppenfoto

v.l.n.r.: Univ.-Prof. Dr. Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät OWL, Univ.-Prof. Dr. phil. nat. habil. René Staritzbichler, Universitäts-institut für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und klinische Pathobiochemie am Universitäts-klinikum OWL Campus Klinikum Lippe, Prof. Dr. Angelika Epple, Rektorin der Universität Bielefeld, Dr. Niklas Cruse, Kaufmännischer Geschäftsführer Klinikum Lippe (©Universität Bielefeld / Norma Langohr)

Dr. phil. nat. habil. René Staritzbichler hat den Ruf der Universität Bielefeld auf die Professur für Physikalische und Digitale Labordiagnostik angenommen. Im November 2025 erhielt er die Berufungsurkunde aus den Händen der Rektorin der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Angelika Epple.

Als W2-Professor wird Univ.-Prof. Staritzbichler künftig die Entwicklung innovativer Analyse- und Diagnostikverfahren zur Verbesserung der Patientenversorgung maßgeblich vorantreiben. Die modernen Verfahren der Labordiagnostik liefern heute unverzichtbare Informationen für Diagnosen, Therapieentscheidungen und Verlaufskontrollen. Gleichzeitig sind viele dieser Verfahren ressourcenintensiv und auf die gezielte Anforderung durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte angewiesen. Fehlende oder verzögerte Labordiagnostik kann jedoch den Behandlungserfolg gefährden.

Gemeinsam mit dem Direktor des Universitätsinstituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Klinische Pathobiochemie, Prof. Dr. Thorsten Kaiser, verfolgt Univ.-Prof. Staritzbichler das Ziel, durch die Kombination spektroskopischer Verfahren mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz künftig kostengünstig zahlreiche Biomarker gleichzeitig in einer einzigen Probe nachzuweisen. Damit soll eine noch schnellere, präzisere und zielgerichtete Diagnostik ermöglicht werden. Für diese innovative Methode wurde den beiden Wissenschaftlern bereits ein Patent erteilt; zudem erhielten sie den renommierten Jörg-Schwarzbich-Inventor-Award.

Nach seinem Physikstudium an der Universität Hamburg und der Promotion an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main arbeitete Univ.-Prof. Staritzbichler als Wissenschaftler an verschiedenen international renommierten Einrichtungen, darunter das Max-Planck-Institut für Biophysik, die Vanderbilt University sowie die BioNTech SE. Bevor er im Jahr 2023 an das Universitätsinstitut für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Klinische Pathobiochemie im Universitätsklinikum OWL am Campus Lippe wechselte, war Univ.-Prof. Staritzbichler am Institut für Medizinische Physik und Biophysik der Universität Leipzig tätig.

Mit der Berufung von Univ.-Prof. Staritzbichler stärkt das Klinikum Lippe gezielt den Bereich der digitalen und KI-gestützten Labordiagnostik und setzt einen weiteren wichtigen Impuls für die universitäre Spitzenmedizin in Ostwestfalen-Lippe.

Neue Studie am Klinikum Lippe

Schonende Behandlungsmethode bei Prostatakrebs wird geprüft

An der Universitätsklinik für Urologie am Campus Klinikum Lippe startet eine besondere klinische Studie zur Behandlung von Prostatakrebs. In der WATER-IV-Studie wird untersucht, ob eine moderne, schonende Operationsmethode – die sogenannte Aquablation – auch bei ausgewählten Formen von Prostatakrebs sicher und wirksam eingesetzt werden kann. Das Klinikum Lippe ist dabei das einzige Krankenhaus in Deutschland, das an dieser internationalen Studie teilnimmt.

Porträt Chefarzt

Univ.-Prof. Dr. Karl-Dietrich Sievert, Direktor der Universitätsklinik für Urologie am Universitätsklinikum OWL Campus Klinikum Lippe, erklärt: „Die WATER-IV-Studie richtet sich an Männer mit früh erkanntem, lokal begrenztem Prostatakrebs. Ziel ist es herauszufinden, ob die Aquablation eine Alternative zur klassischen vollständigen Entfernung der Prostata sein kann. Bei der Aquablation wird krankhaft verändertes Prostatagewebe mit einem hochpräzisen Wasserstrahl entfernt. Anders als bei vielen anderen Verfahren kommt dabei keine Hitze zum Einsatz. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv über die Harnröhre und wird robotergestützt ausgeführt.“

Vor dem Eingriff wird die Prostata mithilfe von Kamera und Ultraschall genau vermessen und kartiert. So kann der Arzt festlegen, welche Bereiche entfernt werden müssen und welche wichtigen Strukturen – etwa für Kontinenz und Sexualfunktion – unbedingt geschont werden sollen. Der Operateur behält dabei jederzeit die volle Kontrolle und kann den Eingriff steuern oder stoppen. Die Operation dauert in der Regel weniger als eine Stunde, erfolgt unter Narkose und erfordert einen kurzen stationären Aufenthalt.

Die Aquablation wird am Klinikum Lippe bereits erfolgreich bei Männern mit einer gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt, die häufig zu Problemen beim Wasserlassen führt. Studien zeigen, dass diese Methode langfristig wirksam ist und dabei besonders schonend vorgeht. Langzeitdaten belegen auch, dass Patienten nach der Aquablation eine deutliche und anhaltende Besserung ihrer Beschwerden erfahren. Gleichzeitig ist die Rate schwerwiegender Nebenwirkungen sehr gering. Kontinenz und Erektionsfähigkeit bleiben in den bisherigen Studien vollständig erhalten und auch die Ejakulationsfähigkeit bleibt bei den meisten Männern bestehen.

Univ.-Prof. Dr. Karl-Dietrich Sievert unterstreicht die Bedeutung dieser Studie: „Mit der Teilnahme an der WATER-IV-Studie festigt das Klinikum Lippe seinen Anspruch, moderne Medizin auf höchstem wissenschaftlichem Niveau anzubieten – und dabei neue, möglichst schonende Behandlungswege für Patienten zu eröffnen. Die bisherigen Daten zur Aquablation zeigen, dass die Methode bei gutartigen Prostatavergrößerungen sehr gut wirkt. Nun gilt es, herauszufinden, ob wir sie auch in der onkologischen Urologie sinnvoll und zum Wohle der Patienten einsetzen können.“

In der WATER-IV-Studie werden die Teilnehmer entweder mit der Aquablation oder mit der klassischen operativen Entfernung der Prostata behandelt. Anschließend werden sie über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren medizinisch begleitet, um Behandlungserfolg, Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen sorgfältig zu vergleichen. Die Studie wird international durchgeführt und vom Hersteller des Aquablation-Systems initiiert. Am Klinikum Lippe erfolgt sie unter Leitung der Universitätsklinik für Urologie und in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und dem Institut für Pathologie.

Männer, die sich für eine Teilnahme an der Studie interessieren oder weitere Informationen wünschen, können sich direkt an das Klinikum Lippe wenden. Ansprechpartnerin für die WATER-IV-Studie ist Karin Berger (karin.berger@klinikum-lippe.de).

Univ.-Prof. Dr. Matthias Benndorf übernimmt Professur für KI-gestützte Biomarkerforschung am Klinikum Lippe

Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Benndorf hat den Ruf der Universität Bielefeld auf die Professur für KI-gestützte Biomarkerforschung am Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Lippe angenommen. Am 20. November 2025 erhielt er die Berufungsurkunde aus den Händen der Rektorin der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Angelika Epple.

Gruppenfoto

v.l.n.r.: Dr. Niklas Cruse, Geschäftsführer Klinikum Lippe, Univ.-Prof. Dr. Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät OWL, Univ.-Prof. Dr. Matthias Benndorf, Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum OWL Campus Klinikum Lippe, Prof. Dr. Angelika Epple, Rektorin der Universität Bielefeld (©Universität Bielefeld / Norma Langohr)

Mit Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Benndorf hat das Klinikum Lippe einen exzellenten Radiologen, der künftig insbesondere in der abdominellen und urogenitalen Bildgebung die diagnostische Qualität weiter stärken wird. Deutschlandweit ist Univ.-Prof. Benndorf vor allem für seine ausgewiesene Expertise auf dem Gebiet der Prostata-MRT bekannt. Dieses Know-how wird er im Rahmen seiner klinischen Tätigkeit als Oberarzt für die abdominelle und urogenitale Bildgebung einbringen.

Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der Validierung diagnostischer Parameter. In Lippe wird Univ.-Prof. Benndorf die KI-gestützte Biomarkerforschung mit einem klaren Fokus auf die Integrierte Diagnostik – also die intelligente Kombination unterschiedlicher Datenquellen zur präziseren Diagnosefindung – für die alltägliche klinische Anwendung etablieren. Darüber hinaus wird er diesen zukunftsweisenden Bereich an der Medizinischen Fakultät der Universität Bielefeld in Forschung und Lehre vertreten.

Univ.-Prof. Benndorf absolvierte sein Medizinstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seine Facharztausbildung durchlief er an der Klinik für Radiologie des Universitätsklinikum Freiburg, wo er anschließend als Facharzt und Oberarzt für Schnittbilddiagnostik tätig war und später die Leitung der Sektion für Urogenitale Bildgebung übernahm.

Im Jahr 2014 absolvierte er einen Forschungsaufenthalt an der University of Wisconsin–Madison, USA. 2020 habilitierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg. Seit Februar 2023 ist Univ.-Prof. Benndorf als Geschäftsführender Oberarzt am Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Campus Lippe des Universitätsklinikum OWL tätig.

Mit der Berufung von Univ.-Prof. Benndorf setzt das Klinikum Lippe einen weiteren Meilenstein im Ausbau der universitären Medizin und der KI-gestützten Diagnostik in Ostwestfalen-Lippe.

Klinikum Lippe erhält neuestes robotisches OP-System

Rund 3,5 Millionen Förderung für eines der größten universitären Robotik-Zentren Deutschlands

Das Klinikum Lippe hat eines der modernsten da Vinci-Operationssysteme Europas in Betrieb genommen, ermöglicht durch eine Förderung von rund 3,5 Millionen Euro durch das Land NRW an die Universität Bielefeld und das Universitätsklinikum OWL am Campus Klinikum Lippe. Das Gerät der neuesten Generation (dV5) ist bundesweit das fünfte seiner Art und das vierte daVinci-System am Klinikum Lippe. Damit zählt das Klinikum Lippe zu den größten chirurgischen Robotik-Zentren in Deutschland.

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Das Team der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner (3. v. l.) freut sich über den daVinci dV5. (©Klinikum Lippe / Mandy Lange)

Das neue daVinci-System wurde nach einer positiven Begutachtung des Förderantrags der „Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG“ im Rahmen des Programms „Großgeräte der Länder“ mit rund 3,5 Millionen Euro gefördert. Univ.-Prof. Dr. Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät OWL der Universität Bielefeld, freut sich über den positiven Förderbescheid: „Wir stärken den universitätsmedizinischen Campus in OWL und schaffen eine leistungsfähige Struktur für Forschung und Lehre.“

Auch Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner, Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, hebt hervor: „Mit vier Systemen am Campus Klinikum Lippe und zwei weiteren an den anderen Campusstandorten des Universitätsklinikums OWL in Bielefeld erreichen wir eine einzigartige Verfügbarkeit dieser hochmodernen Technik. Davon profitieren nicht nur Forschung und studentische Lehre, sondern auch die chirurgische Weiterbildung und die Versorgung der Patientinnen und Patienten in der gesamten Region. Robotisch assistiert durchgeführte Operationen bringen durch die minimalinvasive Zugangstechnik und die hohe Präzision der Instrumentenkontrolle entscheidende Vorteile für die Patienten. Für den Campus Klinikum Lippe am Universitätsklinikum OWL bedeutet die Verfügbarkeit von vier daVinci-Systemen außerdem ein kontinuierliches Training an robotischen Systemen. Die Ausbildung der Studierenden und Chirurgen wird durch eine zusätzlich in der Landesförderung zur Verfügung gestellte Simulations- und Ausbildungskonsole weiter deutlich verbessert.“

Zwei Männer schauen einen Operationsroboter an

Auch Klinikgeschäftsführer Dr. Niklas Cruse ließ sich das neue Operationssystem von OP-Leitung Thomas Herden direkt nach der Anlieferung erklären. (©Klinikum Lippe / Mandy Lange)

Klinikgeschäftsführer Dr. Niklas Cruse sagt: „Am Klinikum Lippe nutzen neben der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie auch die Universitätsklinik für Urologie sowie die Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe die robotischen Systeme für spezialisierte Operationen. Wir reagieren mit dem zusätzlichen OP-System auch auf die erhöhte Nachfrage von Patientinnen und Patienten nach hochpräziser Spitzenmedizin.“

Dr. Michael Leitz, Leitender Arzt der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, hat die Robotik am Klinikum Lippe von Beginn an mit aufgebaut und ist inzwischen regelmäßig in verschiedenen Kliniken europaweit als ausgewiesener Experte für robotische Chirurgie zu Gast. Er betont die Bedeutung des Ausbaus für die Allgemein- und Viszeralchirurgie: „Mit vier da Vinci-Systemen sind wir das größte viszeralchirurgische Robotik-Zentrum in Deutschland. Das neue System setzt einen starken Impuls für moderne, präzise Hochleistungsmedizin in Lippe. Wir freuen uns darauf, ab 8. Dezember mit allen vier Systemen parallel operieren zu können.“

Mit dem neuen daVinci-System wird das Spektrum robotisch durchgeführter minimalinvasiver Eingriffe weiter ausgebaut. In der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie können künftig nahezu alle gängigen Operationen robotisch erfolgen – darunter Eingriffe an Magen, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Leber, Gallenblase, Blinddarm sowie die Versorgung von Bauchwandbrüchen. Gerade bei komplexen operativen Eingriffen zum Beispiel nach Voroperationen oder Verwachsungen profitieren Patientinnen und Patienten von der hohen Präzision des Roboters.

„PSA: Der TÜV für den Mann“ – Warum Männer jetzt zur Vorsorge sollten
Universitätsklinik für Urologie informiert zum Movember über die neuen Empfehlungen zur Prostatavorsorge

Im November steht wieder die Männergesundheit im Fokus. Unter dem Schlagwort „Movember“ machen weltweit Kliniken, Ärztinnen und Ärzte sowie Organisationen auf die Bedeutung der Prostatavorsorge aufmerksam. Auch die Universitätsklinik für Urologie am Klinikum Lippe nutzt den Anlass, um Männer in der Region zu ermutigen, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Klinikdirektor Prof. Dr. Karl-Dietrich Sievert: „Jeder Mann sollte seinen PSA-Wert kennen und nicht nur wissen, dass er ‚ok‘ ist. Die meisten Männer wissen schließlich auch, wieviel PS ihr Auto hat.“

„Wir sprechen gerne vom ‚TÜV für den Mann‘, denn Vorsorge bedeutet Sicherheit – und wer regelmäßig hingeht, kann Risiken früh erkennen oder ausschließen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Karl-Dietrich Sievert, Direktor der Universitätsklinik für Urologie. „Die aktuelle S3-Leitlinie Prostatakarzinom hat die Früherkennung deutlich modernisiert. Heute muss niemand mehr Angst vor dem PSA-Test haben, sondern kann mit einer einfachen Blutuntersuchung eine informierte und individuelle Entscheidung treffen.“

PSA-Test: Einfach, sicher und sinnvoll

Porträt Chefarzt

Univ.-Prof. Dr. Karl-Dietrich Sievert ist es wichtig, im Movember über die Prostatavorsorge aufzuklären.

Der PSA-Test (Prostata-spezifisches Antigen) kann Aufschluss über Veränderungen der Prostata geben. Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet dabei nicht automatisch, dass eine Krebserkrankung vorliegt, sondern zeigt lediglich an, dass genauer untersucht werden sollte.

„Viele Männer fürchten falsche Alarme oder unnötige Eingriffe. Diese Sorge ist mit den neuen Empfehlungen unbegründet“, betont Prof. Sievert. „Die Leitlinie sieht eine differenzierte Bewertung des PSA-Werts vor. Damit wird die Untersuchung genauer, das Risiko von Überdiagnosen geringer – und der Nutzen für den Patienten größer.“

Nach den aktuellen Empfehlungen gilt:

  • Liegt der PSA-Wert unter 1,5 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml), besteht in der Regel ein niedriges Risiko. Eine weitere Kontrolle alle fünf Jahre reicht meist aus.
  • Werte über 1,5 ng/ml sollten regelmäßig kontrolliert werden.
  • Bei auffälligen Ergebnissen wird heute meist eine MRT-Untersuchung der Prostata empfohlen, bevor über eine Gewebeprobe entschieden wird.

„So können wir sehr gezielt und schonend vorgehen“, erklärt der Urologe. „Früherkennung bedeutet nicht Überbehandlung – sondern kluge, individuelle Vorsorge.“

Wann Männer zur Vorsorge gehen sollten

Gesetzlich krankenversicherte Männer können ab dem 45. Lebensjahr jährlich eine Tastuntersuchung der Prostata im Rahmen der Krebsfrüherkennung in einer urologischen Facharztpraxis in Anspruch nehmen. Diese Leistung wird von den Krankenkassen übernommen.

Der PSA-Test selbst ist bislang keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Er kann jedoch vom niedergelassenen Urologen als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) auf Wunsch und nach Aufklärung durchgeführt werden. Besonders Männern mit einem familiären Risiko – etwa wenn Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt sind – rät Prof. Sievert, bereits ab 40 Jahren über eine PSA-Bestimmung nachzudenken. Der Urologe betont: „Ein PSA-Test kostet inklusive Beratung zwischen 25 und 35 Euro. Aus medizinischer Sicht ist das eine gute Investition. Vor allem wenn man dann weiß, dass alles in Ordnung ist und der nächste ‚TÜV für den Mann‘ erst wieder in fünf Jahren ansteht. Sollte die Untersuchung eine Auffälligkeit ergeben, ist das Geld noch viel besser angelegt, denn dann kann man mit der richtigen Diagnostik frühzeitig eingreifen. Alle Urologen beraten jeden Patienten offen und ehrlich über den Nutzen, mögliche Risiken und die Kosten. Die Entscheidung liegt dann beim Patienten – aber sie sollte gut informiert getroffen werden“.

Vorsorge rettet Leben

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Jährlich erhalten rund 60.000 Männer diese Diagnose. Wird die Erkrankung früh erkannt, bestehen sehr gute Heilungschancen.

„Die meisten Männer kommen erst, wenn sie Beschwerden haben – und das ist meist zu spät“, warnt Prof. Sievert. „Ein kurzer Besuch zur Vorsorge kann dagegen entscheidend sein. Wer sein Auto regelmäßig zum TÜV bringt, sollte das mit seinem Körper genauso tun.“ Männer sollten den Movember nutzen, um einen Vorsorgetermin zu vereinbaren. „Vorsorge ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke“, sagt Prof. Sievert. „Wer frühzeitig handelt, hat die besten Chancen auf ein gesundes Leben.“

Am 8. November 2025 informiert Univ.-Prof. Dr. Karl-Dietrich Sievert gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Thorsten Kaiser, Direktor des Universitätsinstitutes für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und klinische Pathobiochemie, um 12.15 Uhr über Prostatavorsorge und die Rolle des PSA-Wertes. Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Vortrag findet im Rahmen des Tages der offenen Tür am Klinikstandort Lemgo, Rintelner Straße 85, von 10 bis 14 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Hintergrund: Neue S3-Leitlinie Prostatakarzinom

Die überarbeitete S3-Leitlinie Prostatakarzinom wurde im Sommer 2024 veröffentlicht. Sie empfiehlt erstmals den PSA-Test als zentrales Instrument der Früherkennung, wenn Männer nach ärztlicher Aufklärung zustimmen. Die bislang empfohlene rektale Tastuntersuchung spielt dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle. Neu ist auch der verstärkte Einsatz von MRT-Untersuchungen und die Betonung einer aktiven Überwachung bei niedrigem Risiko. Ziel ist eine personalisierte, sichere und patientenorientierte Diagnostik.

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