Den Kindern einen Platz geben

20 Jahre Erinnerungsgottesdienst des Klinikums Lippe

Es sind kleine Namen auf großen Herzen. Manche davon wurden nie ausgesprochen. Manche Kinder bekamen auch nie einen Namen – und doch hatten sie längst einen Platz im Leben ihrer Eltern. Sie waren verbunden mit Hoffnungen, mit Zukunftsplänen, mit ersten vorsichtigen Vorstellungen davon, wie das gemeinsame Leben einmal aussehen könnte.

Dann endet eine Schwangerschaft plötzlich. Ein Herz hört auf zu schlagen, bevor das Leben richtig beginnen konnte. Manche Kinder leben nur wenige Wochen im Mutterleib, andere wenige Stunden oder Tage nach der Geburt. Und dennoch hinterlassen sie Spuren – tief und dauerhaft.

Zurück bleiben Eltern, Geschwister, Großeltern, Freunde. Zurück bleiben Fragen, Erinnerungen und oft auch eine Trauer, für die es lange kaum Worte gab. Denn Fehl- und Totgeburten waren über Jahrzehnte ein Thema, über das geschwiegen wurde. Viele Familien mussten ihren Verlust allein tragen.

Im Klinikum Lippe entstand deshalb schon früh ein anderer Umgang mit diesem Schmerz: offen, zugewandt und menschlich. Daraus entwickelte sich vor 20 Jahren der Erinnerungsgottesdienst für verstorbene Kinder – ein Ort für Trauer, Erinnerung und Begegnung. Ein Ort, an dem Kinder einen Platz bekommen. Mit Namen. Oder einfach mit ihrer Geschichte.

Wenn am Freitag, 12. Juni 2026 um 17.00 Uhr in der Erlöserkirche am Markt in Detmold Kerzen leuchten, Musik erklingt und Eltern schweigend nebeneinandersitzen, dann geht es genau um diese Kinder. Um Sternenkinder. Um Erinnerung, um Trauer und darum, dass niemand mit diesem Verlust allein bleiben soll. In diesem Jahr feiert der Erinnerungsgottesdienst für Eltern, die ihr Kind verloren haben, für Familien, Freunde und Freundinnen und für alle, die die Trauer mittragen, sein 20-jähriges Bestehen.

„Früher wurde darüber geschwiegen“

FrauFür Gerlinde Kriete-Samklu ist das Jubiläum auch eine Reise zurück in eine Zeit, in der Fehl- und Totgeburten kaum öffentlich thematisiert wurden. Seit 1998 arbeitet sie als Krankenhausseelsorgerin im Klinikum Lippe – und erinnert sich noch gut an die ersten Begegnungen mit dem Thema.

Schon kurz nach ihrem Start in Detmold fragte sie nach, wie man im Krankenhaus mit Fehlgeburten umgehe. Die evangelische Krankenhausseelsorge habe das Thema damals verstärkt in die Kliniken getragen. Unterstützt wurde sie dabei von einer leitenden Hebamme, die bereits früh sehr sensibel mit betroffenen Familien umging. Doch auch für die Mitarbeitenden selbst sei der Umgang nicht selbstverständlich gewesen. „Hebammen sind eigentlich für das Leben da“, sagt Gerlinde Kriete-Samklu ernst. „Auch die Professionellen mussten damals erst lernen, wie man mit diesem Verlust umgeht.“

Ein kleiner Sarg beim Tag der offenen Tür

Ein Schlüsselmoment folgte 1999. Beim Tag der offenen Tür gestaltete die Krankenhausseelsorge einen Stand – mit einem kleinen Baumsarg. „Viele Frauen blieben stehen und fühlten sich sofort angesprochen“, erinnert sich die evangelische Krankenhausseelsorgerin. Kurz darauf erschien ein Zeitungsartikel mit der zu dieser Zeit ungewöhnlich klaren Überschrift: „Föten enden nicht mehr im Müll“. Die Resonanz sei überwältigend gewesen.

Immer mehr Betroffene meldeten sich. Frauen hätten Gesprächsbedarf gehabt, obwohl ihre Fehlgeburt Jahre zurücklag. Eltern wollten endlich über ihre Kinder sprechen. Aus diesen Begegnungen entstand die Idee eines Erinnerungsgottesdienstes, der im April 2006 erstmals stattfand. „Der alte Andachtsraum platzte mit der Zeit aus allen Nähten“, erzählt Gerlinde Kriete-Samklu. Bald reichte der Platz nicht mehr aus und deshalb wechselte die Veranstaltung später in die Diakonis-Kirche.

„Jetzt hat mir das Gespräch gutgetan“

Der Erinnerungsgottesdienst ist eingebettet in ein umfassendes Begleitangebot für betroffene Familien, das bereits unmittelbar nach dem Verlust des Kindes präsent ist. Viele Rituale, die inzwischen selbstverständlich erscheinen, mussten damals erst entwickelt werden. „Bei einem Stationsbesuch traf ich auf eine betroffene Frau, mit der ich in ein langes Gespräch kam“, erzählt Kriete-Samklu. „Es stellte sich heraus, dass sie im Kreißsaal das Gesprächsangebot abgelehnt hatte. Nun meinte sie: Jetzt hat mir das Gespräch doch gutgetan.“ Bis heute ermutigen die Mitarbeitenden Eltern dazu, ihr Kind anzuschauen, es zu berühren, Fotos zu machen oder ihm einen Namen zu geben. Kriete-Samklu weiß: „Das klingt heute selbstverständlich, war es aber lange nicht.“

Besonders wichtig sei ihr der Blick auf die gesamte Familie – auch auf Geschwisterkinder. „Wir Erwachsenen machen oft den Fehler, Kinder nicht einzubeziehen“, sagt sie. „Kinder spüren ohnehin, dass etwas anders ist. Wenn man schweigt, lernen sie: Wenn etwas Schlimmes passiert, darf man nicht darüber sprechen.“ Dabei gehe es nicht darum, den Schmerz zu nehmen. „Es geht nicht weg“, sagt Kriete-Samklu, „aber gemeinsam kann man es anders aushalten.“

Ein Ort für Erinnerung

Zum Abschied gehören oft kleine Rituale: ein Gebet, ein Segenswort, ein Foto, ein Hand- oder Fußabdruck. Auch die Bestattung der Kinder wurde über die Jahre neu gedacht. Auf dem Kupferbergfriedhof in Detmold gibt es heute eine eigene Gräberfläche für Sternenkinder. Eltern können selbst entscheiden, ob und wie sie ihr Kind bestatten lassen möchten, wenn es unter 500 Gramm wiegt. Ab einem Gewicht von 500 Gramm ist eine Einzelbestattung vorgeschrieben. Schon in der Klinik erhalten Eltern Hinweise auf Selbsthilfegruppen und Beratungsangebote.

Eine dieser Gruppen begleitet heute Kathrin Walther. Sie weiß selbst, wie sich der Verlust eines Kindes anfühlt. Ihr Sohn Felix starb 2015 während der Schwangerschaft. Lange suchte sie nach Menschen, die ihre Erfahrung teilen konnten. Schließlich fand sie den Gesprächskreis Sternenkinder in Detmold. Sternenkinder – so werden Babys genannt, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Der Austausch mit anderen Betroffenen habe ihr geholfen, mit der eigenen Trauer umzugehen.

Und deshalb engagiert sich Kathrin Walther heute selbst für betroffene Familien. Sie begleitet den Gesprächskreis Sternenkinder Lippe, eine Selbsthilfegruppe für Eltern, die ihr Kind während der Schwangerschaft, bei oder kurz nach der Geburt verloren haben. Dort finden Mütter und Väter Raum für Austausch, Verständnis und gegenseitige Unterstützung – oft mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Neben persönlichen Treffen informiert die Initiative auch online über Hilfsangebote, Trauerbegleitung und Ansprechpartner. Weitere Informationen finden Betroffene unter sternenkinder-lippe.de.

Erinnerungsgottesdienst

Der Erinnerungsgottesdienst wird einmal jährlich gemeinsam von Hebammen, Kinderkrankenschwestern, Kinderärzten, Gynäkologen und der Krankenhausseelsorge gestaltet. Viele ehemalige Betroffene kommen jedes Jahr wieder.

Jeder Gottesdienst steht unter einem eigenen Thema. Noch nie habe sich eines wiederholt, sagt Kriete-Samklu. In diesem Jahr lautet es: „Herz“. Musik spielt dabei eine besondere Rolle, denn sie kann Trost spenden, wenn Worte es nicht vermögen. Es gibt auch eigens geschriebene Lieder und Trostgeschichten für Familien. Seit vielen Jahren verfasst die niedergelassene Kinderärztin Dr. Natalie Hellermann Geschichten für den Gottesdienst.

Und vielleicht beschreibt genau das den Kern dieser besonderen Veranstaltung: Erinnerung sichtbar machen. Den Kindern einen Platz geben. Und den Eltern und Familien die Gewissheit, dass ihre Trauer bleiben darf.

Abschied mit Dankbarkeit

Langjähriger Chefarzt der Gefäßchirurgie geht in den Ruhestand – Priv.-Doz. Dr. René Rusch übernimmt die Klinikleitung

Das Klinikum Lippe hat in dieser Woche Abschied genommen von Prof. Dr. Masoud Mirzaie, der nach rund 20 Jahren als Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist. In einer Feierstunde würdigten Geschäftsführung, Kolleginnen und Kollegen sowie langjährige Wegbegleiter das außerordentliche Wirken eines Arztes, der die Gefäßchirurgie am Klinikum Lippe über zwei Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat.

Prof. Dr. Mirzaie, geboren in Teheran, brach als junger Mann auf, um Medizin zu studieren und seinen Lebensweg als Arzt zu gehen. Diese frühe Erfahrung des Neuanfangs und der Verantwortung hat seinen Blick auf den Beruf dauerhaft geprägt: Medizin war für ihn nie nur Technik, sondern immer auch Haltung. Der Mensch hinter der Diagnose stand für ihn stets im Mittelpunkt.

Am Klinikum Lippe baute er die Klinik für Gefäßchirurgie mit fachlicher Expertise, Weitblick und Kontinuität auf und aus. Dabei legte er besonderen Wert darauf, dass medizinische Entscheidungen im Team getroffen werden – auf Basis von Wissen, Erfahrung und offenem Austausch. Eine Operation, so seine Überzeugung, sollte immer das letzte Mittel sein, nie der erste Gedanke.

Neben seiner fachlichen Exzellenz war es vor allem seine menschliche Art, die viele im Klinikum Lippe beeindruckt hat: seine Ruhe in schwierigen Situationen, seine Zugewandtheit gegenüber Patientinnen und Patienten wie Mitarbeitenden gleichermaßen, und seine Fähigkeit zuzuhören. Er hinterlässt nicht nur eine gut aufgestellte Klinik – er hinterlässt eine Haltung und bleibt so Teil der Geschichte des Klinikums Lippe. Das gesamte Haus dankt ihm für zwei Jahrzehnte Engagement, Loyalität und Menschlichkeit – und wünscht ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.

Die Leitung der Klinik für Gefäßchirurgie hat Priv.-Doz. Dr. René Rusch übernommen. Der 46-Jährige bringt umfassende klinische Expertise und wissenschaftliche Erfahrung mit und steht für eine moderne, evidenzbasierte Gefäßmedizin. Er übernimmt eine Klinik, die auf einem starken Fundament steht – und die Herausforderungen wie Möglichkeiten der Zukunft mit einem erfahrenen Team angehen wird.

Finden statt Suchen

Klinikum Lippe bietet Indoor-Navigations-App an

Orientierung im Krankenhaus kann herausfordernd sein – besonders für Patientinnen und Patienten, Besuchende oder neue Mitarbeitende. Mit der „Klinikum Lippe Navi“-App bietet das Klinikum Lippe ab sofort eine digitale Lösung, die den Weg durch die Gebäude deutlich erleichtert.

Die App ermöglicht eine präzise Navigation innerhalb der Standorte Detmold und Lemgo und führt Nutzerinnen und Nutzer schnell und zuverlässig zu Stationen, Ambulanzen, Untersuchungsbereichen oder Servicepunkten. „Navigation wie bei Google Maps kennen wir alle aus unserem Alltag. Bei uns ist sie nun auch Indoor möglich“, erklärt Dr. Georg Langebartels, Chief Digital Officer und seit 2025 verantwortlich für die Digitalstrategie des Klinikums Lippe.

Die Indoor-Navigations-App richtet sich gezielt an Patientinnen und Patienten, Besuchende, Studierende sowie Gäste und sorgt für eine entspannte Orientierung im komplexen Klinikalltag. Grundlage ist eine intuitive Bedienung: Nach dem Download der App wählen Nutzer ihr Ziel aus und starten direkt die Routenführung. Voraussetzung ist lediglich ein aktiviertes Bluetooth-Signal auf dem Smartphone. Im Fokus der Navigations-App steht ein klarer Mehrwert: „Finden statt suchen“ – die App führt ohne Umwege durch das Gebäude und trägt so dazu bei, Wege effizienter und stressfreier zu gestalten. Die „Klinikum Lippe Navi“ App ist kostenfrei im App Store und bei Google Play verfügbar.

„Der Launch der App ist Teil der fortlaufenden Digitalisierungsstrategie des Klinikums Lippe, die darauf abzielt, Prozesse zu optimieren und die Servicequalität kontinuierlich zu verbessern. Davon profitieren unsere Patientinnen und Patienten, aber letztlich auch unsere Mitarbeitenden. Was andere Branchen schon lange vormachen, soll nun auch an Krankenhäusern in Deutschland etabliert werden. Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) und damit verbundene Fördermöglichkeiten versetzen uns in die Lage, zielgerichtet digitaler zu werden“ betont Dr. Langebartels.

Neben der „Klinikum Lippe Navi“-App haben er und sein Team gemeinsam mit der Klinik-IT und der Patientenaufnahme in den letzten Monaten weitere wichtige digitale Entwicklungen angestoßen. Über das Patientenportal klinikum-lippe.de/patientenportal können ambulante Termine in verschiedenen Bereichen online gebucht werden. Im Laufe des Jahres kommen immer mehr Fachabteilungen hinzu. Ebenso in Vorbereitung sind Patienten-Check-In-Terminals. An ihnen können Patientinnen und Patienten in Detmold und Lemgo künftig selbst einchecken, wenn sie einen Termin im Klinikum Lippe haben und Wartzeiten vermeiden möchten.

Mehr Informationen: Klinikum Lippe Navi

In einem feierlichen Rahmen ist gestern Prof. Dr. Frank Hartmann nach jahrzehntelangem Wirken als Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Internistische Onkologie am Klinikum Lippe in den Ruhestand verabschiedet worden…

Das Klinikum Lippe ist mit dem Siegel „FABEL-haft familienfreundlich in Lippe“ ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand im Rahmen…

Der große Saal im Campus 9 war bis auf den letzten Platz gefüllt: Gemeinsam mit dem Kreis Lippe hatte das Klinikum Lippe erstmals zur Veranstaltung „Klinik meets Rettungsdienst“ eingeladen. Ziel des neuen Formats ist es, die sektorenübergreifende Kommunikation…

Frischer Wind für die Pflege: 21 Talente, sieben Nationen, ein Ziel

Mit großer Freude begrüßten die Schulen für Pflegeberufe Herford/Lippe GmbH gemeinsam mit den Kreiskliniken Herford-Bünde und dem Klinikum Lippe am 1. April insgesamt 21 Auszubildende, die ihre dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann aufnehmen. Sieben Auszubildende davon fangen ihre Karriere beim Klinikum Lippe an.

Der Ausbildungsstart markiert nicht nur den Beginn eines neuen beruflichen Lebensabschnitts, sondern steht auch für gelebte Vielfalt und internationale Zusammenarbeit: Die neuen Auszubildenden stammen aus sieben verschiedenen Ländern und bringen damit eine beeindruckende Bandbreite an kulturellen Hintergründen, Sprachen und Erfahrungen mit.

„Unsere neuen Auszubildenden spiegeln die Realität der modernen Pflege wider: International, engagiert und voller Motivation“, betont Kursleiter Dirk Zimmermann von der Schulen für Pflegeberufe Herford/Lippe GmbH. „Diese Vielfalt ist ein großer Gewinn für uns alle: die Teams in den Einrichtungen, für die Patientinnen und Patienten und nicht zuletzt für die Auszubildenden selbst, die voneinander lernen und gemeinsam wachsen können.“

Der Startschuss fiel mit einem gemeinsamen Einführungstag, an dem es weniger um harte Lerninhalte als vielmehr um das Ankommen ging. Sich kennenlernen, Orientierung im Schulalltag finden und ein echtes Teamgefühl entwickeln standen ganz oben auf der Agenda. Die generalistische Pflegeausbildung qualifiziert die Auszubildenden für ein breites Spektrum pflegerischer Tätigkeiten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten. Sie verbindet theoretische Grundlagen mit intensiven Praxiseinsätzen und eröffnet vielfältige berufliche Perspektiven.

Für die Region ist der Kursstart ein wichtiger Schritt, um die Versorgung auch in Zukunft auf sichere Beine zu stellen. Wir wünschen allen Auszubildenden einen guten Start und eine erfolgreiche Ausbildung.

Interesse an einer Karriere in der Pflege? Bewerbungen für den nächsten Starttermine am 1. August und 1. Oktober sind jederzeit willkommen.

Text und Bild: Schulen für Pflegeberufe Herford/Lippe, Yvonne Berthiot

Neubeginn und Abschied am Klinikum Lippe: Prof. Dr. Hartmann geht in Ruhestand, Prof. Dr. Dierks übernimmt die Klinikleitung

Gruppenbild

v.l.n.r.: Dr. Niklas Cruse, Kaufmännischer Geschäftsführer Klinikum Lippe, Univ.-Prof. Dr. Christine Dierks, Direktorin der Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie am Klinikum Lippe, und Prof. Dr. Angelika Epple, Rektorin der Universität Bielefeld © Universität Bielefeld

Univ.-Prof. Dr. Christine Dierks ist neue Leitung für die Hämatologie und Onkologie. Prof. Dr. Frank Hartmann geht in den Ruhestand.

Das Klinikum Lippe stellt die Weichen für die Zukunft: Univ.-Prof. Dr. Christine
Dierks übernimmt zum 01.04.2026 die Leitung der Klinik für Hämatologie und Internistische Onkologie, die künftig als Universitätsklinik des Universitätsklinikum OWL geführt wird.

Gleichzeitig wird Prof. Dr. Frank Hartmann in den Ruhestand verabschiedet. Er hatte die Abteilung und das Klinikum Lippe über viele Jahre geprägt.

Innovative Therapien und Forschung im Fokus

Mit Univ.-Prof. Dr. med. Christine Dierks gewinnt das Klinikum Lippe eine ausgewiesene Expertin für moderne Krebsmedizin. Ihre Schwerpunkte reichen von Tumorimmunologie über CAR-T-Zelltherapien bis hin zu innovativer Diagnostik mit künstlicher Intelligenz.

Sie war kommissarische Leiterin der Hämato-Onkologie an der Universitätsklinik Halle und bringt umfangreiche Erfahrung aus Klinik, Forschung und internationaler Zusammenarbeit mit. Bei ersten Besuchen in Lemgo und Bielefeld sagte Dierks:

„Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit dem Team neue Wege in der hämato-onkologischen Versorgung zu gehen. Forschung und moderne Therapie sollen bei uns Hand in Hand arbeiten – immer mit dem Ziel, Patientinnen und Patienten bestmöglich zu unterstützen.“

Abschied nach zwei Jahrzehnten

Neubeginn und Abschied gehen Hand in Hand. Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat Prof. Dr. Frank Hartmann die Entwicklung der Hämatologie und Onkologie sowie Palliativmedizin am Klinikum Lippe entscheidend mitgestaltet. Mit großem Engagement, viel Erfahrung und persönlicher Nähe zu seinen Patientinnen und Patienten hat er die Klinik geprägt. Prof. Hartmann sagt rückblickend:

„Die Arbeit hier war für mich eine Lebensaufgabe. Ich bin dankbar für ein großartiges Team und die vielen Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben.“

Dank und Ausblick

Dr. Niklas Cruse, Kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikum Lippe, betont:

„Wir bedanken uns bei Prof. Hartmann für sein herausragendes Engagement und wünschen ihm für seinen Ruhestand alles Gute. Gleichzeitig freuen wir uns, dass durch die Expertise von Prof. Dr. Dierks der Ausbau der Stammzelltherapie weiter Fahrt aufnimmt. Damit gehen wir den nächsten wichtigen Schritt gemeinsam mit den anderen Kliniken des Universitätsklinikums OWL in Richtung medizinischer Spitzenversorgung in Ostwestfalen-Lippe.“

 

Rückblick: Lippischer Pflegetag 2026 – „Interprofessionelle Versorgung Hochbetagter“

Die Reanimation des Lippischen Pflegetags war ein voller Erfolg!

Bereits vor Anmeldeschluss war die Veranstaltung komplett ausgebucht – ein deutliches Zeichen, dass das Thema Interprofessionelle Versorgung Hochbetagter bei Fachkräften auf großes Interesse stößt.

Geschäftsführung und Pflegedirektor des Klinikum Lippe begrüßten über 150 Teilnehmende aus verschiedenen Berufsgruppen, darunter:

  • Pflegefachpersonal,
  • Therapeuten,
  • Mediziner,
  • MFA
  • und Sozialarbeiter.

Neben Mitarbeitenden aus ambulanten Pflegediensten, stationärer Langzeitpflege, Praxen, Beratungsangeboten und Ausbildungseinrichtungen in Lippe waren auch Kolleginnen und Kollegen aus Akutkliniken der Nachbarkreise Paderborn, Gütersloh, Hameln sowie der Stadt Bielefeld angereist.

Auftakt

Die Keynote-Vorträge bildeten den Auftakt des Tages. Prof. Christoph Redecker vom KLL referierte praxisnah zu Bewegungsstörungen im Alter mit Schwerpunkt Parkinson, während Prof. Timo Prell von der Universität Jena die Quantifizierung funktioneller Aktivitäten vorstellte. Beide Vorträge fanden in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal großen Anklang und boten den Teilnehmenden wertvolle Einblicke in aktuelle Forschung und klinische Praxis.

Workshops und Podiumsdiskussion

Im Anschluss fanden drei parallele Workshop-Runden statt, in denen insgesamt 18 Kurzimpulse zu verschiedenen Facetten des Alterns präsentiert wurden. Die Beiträge kamen aus unterschiedlichen Bereichen:

  • Pflege,
  • Medizin,
  • Physiotherapie,
  • Ernährungsberatung
  • und Sozialdienst.

Ergänzend stellten Tanja Lupuljev von der Altenhilfeplanung und Quartiersentwicklung im Kreis Lippe die prognostizierte Entwicklung des lokalen Pflegebedarfs sowie die vorhandenen Versorgungsstrukturen und Personalressourcen dar. Petra Melching, Allgemeinmedizinerin, ergänzte mit praktischen Beispielen aus der hausärztlichen Versorgung und den Schnittstellen zu Klinik und Weiterversorgern.

„Und jetzt -Was ist zu tun“ 

Mit dieser Frage leitete Moderator Uwe Borchers die abschließende Podiumsdiskussion ein, bei der zentrale Akteurinnen und Akteure aus Klinik, Pflege und Hausärztlicher Versorgung gemeinsam diskutierten. Unter reger Publikumsbeteiligung wurden Probleme benannt, Erfahrungen ausgetauscht und erste Lösungsansätze skizziert. Die Diskussionsrunde bot einen lebendigen Abschluss des Tages und verdeutlichte die Relevanz der interprofessionellen Zusammenarbeit in der Versorgung hochbetagter Menschen.

Besonderer Dank

Ein besonderer Dank gilt der Küche Lieme für die hervorragende Verpflegung, Emil Löwen aus der IT für die technische Vorbereitung und Standby sowie allen Helferinnen und Helfern aus der Pflege, die den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung ermöglicht haben. Zudem konnten durch eine Waffelverkaufsaktion Spenden an die Clowns-Visiten und den Ambulanten Hospizdienst weitergeleitet werden.

Fazit

Am Ende das Tages war deutlich: Der Lippische Pflegetag 2026 hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch den interprofessionellen Austausch gefördert und die Zusammenarbeit zwischen Klinik, Pflege, Therapie und Sozialdiensten gestärkt. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren durchweg positiv, und viele sprachen den Wunsch aus, dieses Fortbildungsformat regelmäßig fortzuführen.

„Die Pflege ist entscheidend für die Genesung der Patienten“,

betonte eine Teilnehmerin und machte damit deutlich, wie zentral die Pflege in allen Versorgungsbereichen ist.

Mehr als Therapie: Wie Boxen Parkinson-Patienten stärkt

9. Netzwerktreffen
PNOWL+ am 18.03.2026
im CIIT Auditorium Lemgo

„Teilnehmer berichten uns: Ich hätte nie gedacht, dass ich mal wieder eine Treppe hochlaufe – einfach so.“ Der Satz fällt leise. Fast nebenbei. Und doch bleibt er im Raum stehen.

Es ist der 18. März, 9. Netzwerktreffen des Parkinsonnetz OstwestfalenLippe+. 84 Menschen sind nach Lemgo gekommen – Physiotherapeuten, Logopäden, Pflegekräfte, Apotheker, Ärztinnen und Ärzte. Einige sind sogar aus Niedersachsen angereist. Sie alle eint ein Thema: Parkinson. Und die Frage, wie Versorgung besser gelingen kann.

Man hört Stühle rücken, leises Murmeln, dann konzentrierte Stille. Univ.-Prof. Dr. Christoph Redecker, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie und Neurogeriatrie am Klinikum Lippe, ausgewiesener Parkinson-Experte und Initiator des Netzwerktreffens, sagt zu Veranstaltungsbeginn: „Parkinson ist nicht gleich Parkinson. Der Verlauf dieser Erkrankung hängt stark vom Lebensstil ab.“ Allen Expertinnen und Experten, die aus verschiedenen Berufsgruppen an diesem Abend zusammengekommen sind, ist klar: Es geht hier nicht nur um Krankheit. Es geht um Lebensqualität und Leben mit Parkinson.

Die Fakten sind schnell genannt: Parkinson wird durch Dopaminmangel verursacht. Es gibt medikamentöse Therapien. Wichtig sind vor allem aber therapeutische und aktivierende Ansätze sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Prof. Redecker ist es wichtig, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch die Perspektiven auf Parkinson zu verändern. Er weiß: „Es gibt nicht den einen Ansatz, der allen Parkinson-Patienten hilft. Parkinson verläuft sehr individuell. Ein Couchpotato hat andere Symptome als ein aktiver Mensch.“

Der Perspektivwechsel und der Wissenstransfer ist auch der Ansatz des Parkinsonnetzes OstwestfalenLippe+. Es ist eines von insgesamt 21 Netzwerken in Deutschland, die untereinander gut vernetzt sind. Der Netzwerkatlas wächst. Und mit ihm die Erkenntnis: Gute Versorgung entsteht nur gemeinsam.

Nach dem Vortrag starten drei Workshops. In einem davon erzählen Kai Gutmann und Beke Bas vom „Parkinson-Boxen“. Vor einem halben Jahr hat die Sportschule Tosa Inu in Lemgo dieses neue Angebot organisiert und seitdem an die Bedürfnisse der Teilnehmenden angepasst. Kai Gutmann, Inhaber des Studios, erzählt: „Es ist sehr beeindruckend, wenn die Kursteilnehmer mit unsicheren Schritten zu uns ins Studio kommen und nach dem Training plötzlich selbstständig die Treppenstufen aus dem Studio heraus bewältigen können. Die Teilnehmer berichten uns: Ich hätte nie gedacht, dass ich mal wieder eine Treppe hochlaufe – einfach so.“

v.l.n.r.: Kai Gutmann und
Beke Bas von der Sportschule
Tosa Inu in Lemgo und Univ.-Prof. Dr. Christoph Redecker, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie und Neurogeriatrie am Klinikum Lippe

Beke Bas, 32 Jahre alt, Profiboxerin, dreifache Weltmeisterin im Leichtgewicht, Boxtrainerin und gelernte Heilerziehungspflegerin, erinnert sich: „Wir haben schnell festgestellt, dass die Balance das größte Problem für die Parkinson-Patienten ist.“ Die ersten Trainingsstunden beschreibt sie so: „Zögerliche Bewegungen. Unsicherheit. Unterschiedliche Krankheitsverläufe, unterschiedliches Alter von Anfang 30 bis 85 Jahre, Männer und Frauen, alle auf einem anderen Stand. Das war eine Herausforderung. Wir mussten unser Training zu Beginn sehr anpassen. Übungen, die geplant waren, funktionierten nicht. Also wurde neu gedacht.“

Kai Gutmann ergänzt: „Wir haben dann langsamer, kleinschrittiger, präziser trainiert. Erst Aufwärmen. Dann einfache Bewegungen. Dann erste Schläge. Sechs Schläge kombiniert – und plötzlich entsteht mehr Sicherheit.“ Sechs Basisschläge lernen die Teilnehmenden, darunter gerade Schläge und Haken, aber auch Kombinationen. Was nach hartem Sport klingt, ist in der Realität mehr als Training. Es ist ein Stück weit Therapie: Gleichgewicht, Koordination und Bewegungssicherheit werden trainiert. „Nach diesem halben Jahr können wir sagen, dass die Teilnehmenden heute stabiler stehen und gehen und sich einfach auch mehr trauen“, sagt Kai Gutmann. Das Training findet einmal wöchentlich statt. Eine halbe Stunde Aufwärmen, dann Partnerübungen und Kombinationen. Aus zwölf Teilnehmenden sind sieben geworden. Nicht, weil das Angebot nicht funktioniert – sondern, weil es sich weiterentwickelt. Weil es fordert. Und weil Parkinsonpatienten viele Herausforderungen zu bewältigen haben.

Am Ende des Netzwerktreffens bleibt die Erkenntnis: Parkinson-Therapie funktioniert nur im Zusammenspiel. Medizin, Therapie, Pflege – und eben auch neue Ansätze wie das Boxen.

Das Parkinsonnetz OstwestfalenLippe+ besteht seit drei Jahren und trifft sich vier Mal pro Jahr – drei Mal vor Ort und einmal digital. Das Ziel des Netzwerkes ist es, die Versorgung von Menschen mit Parkinson in OWL zu verbessern. Die Netzwerkmitglieder sind überzeugt: Das geht nur mit vereinten Kräften, wenn Ärzte, Therapeuten, Pflege, Sanitätshäuser und weitere an der Versorgung von Parkinson-Patienten beteiligte Bereiche möglichst gut zusammenarbeiten.

Mehr Informationen auf: www.pnowlp.de

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