| Allgemein- und Viszeralchirurgie

In der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie (Eingeweidechirurgie) wird die operative Behandlung der Bauchorgane, das heißt des gesamten Verdauungstraktes einschließlich der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse, des Magens, des Dünn- und Dickdarms, des Enddarms, der Leber und der Milz durchgeführt. Des Weiteren zählen Operationen der endokrinen Drüsen (Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere) sowie die Behandlung von Bauchwandbrüchen (Hernien) zu diesem Arbeitsbereich.

Mit über 3.000 stationären Behandlungen jährlich sind wir eine der größten auf die Behandlung Allgemein- und Viszeralchirurgischer Erkrankungen spezialisierten Kliniken in NRW. Jährlich etwa 140 Patientinnen und Patienten mit neu aufgetretenem Darmkrebs werden in unserem Darmzentrum, einem der größten in Deutschland, behandelt. 

Wir bieten Sprechstunden für Proktologie, die chefärztliche Indikations- und Beratungssprechstunde – auch zur Einholung einer Zweitmeinung – und die Prästationäre Sprechstunde zur Operationsvorbereitung an.

Bitte vereinbaren Sie einen Termin unter Telefon 05231 72-1151.

| CHEFARZT

Prof. Dr. med.
Wolfgang Hiller

Klinikum Lippe
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Sekretariat: Julia Lohmeyer
Telefon 05231 72-1151
Fax 05231 72-1045

Dr. med.<br />Britta Eikötter

Dr. med.
Britta Eikötter

Leitende Oberärztin
Dr. med.<br />Michael Leitz

Dr. med.
Michael Leitz

Leitender Arzt
Dr. med.<br />Daniela Poppenborg

Dr. med.
Daniela Poppenborg

Oberärztin
Dr. med.<br />Katja Maschuw

Dr. med.
Katja Maschuw

Oberärztin
Swar Alhisso

Swar Alhisso

Oberarzt
Dr. medic<br />Zsolt Madarasz

Dr. medic
Zsolt Madarasz

Oberarzt

| ALLGEMEIN- UND VISZERALCHIRURGIE

Unsere Schwerpunkte

Jährlich werden in unserer Klinik über 200 Eingriffe an Speiseröhre und Magen durchgeführt. Eine besondere Expertise hat unsere Klinik im Bereich der bösartigen Tumore dieser Organe. 

Das Magenkarzinomzentrum war das erste in OWL, welches von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert wurde. Es ist Teil des Viszeralonkologischen Zentrums und betrifft alle Karzinome des Magens und der unteren Speiseröhre. Speziell bei der Behandlung von Speiseröhren- und Magenkrebs kommt der interdisziplinären Abstimmung mit Gastroenterologen, Internistischen Onkologen und Strahlentherapeuten eine große Bedeutung zu. Das individuelle Therapiekonzept wird im Rahmen unserer interdisziplinären Tumorkonferenz abgestimmt. Wesentlich zum Behandlungserfolg trägt aber auch die intensivmedizinische Betreuung von mit der Erkrankung erfahrenen Mitarbeiter/Innen, die Unterstützung durch ErnährungsberaterInnen und MitarbeiterInnen vom Sozialdienst bei.

Die Bedeutung einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit in einem eingespielten Team, welches die entsprechenden Erkrankungen regelmäßig behandelt,  gilt erst recht für die hochkomplexe Therapie des Speiseröhrenkarzinoms. Frühe Tumore können eventuell über eine Spiegelung (endoskopisch) abgetragen werden, meist wird jedoch eine Operation erforderlich. Die Klinik verfügt über die Erfahrung von weit über 200 Krebsoperationen an der Speiseröhre. Je nach Art des Tumors erfolgt die Operation in Kombination mit einer Chemotherapie oder Strahlentherapie. Durch den routinemäßigen Einsatz der minimal-invasiven Chirurgie konnte die körperliche Belastung durch diese komplexen Operationen in den letzten Jahren deutlich verringert werden. 

Auch wenn die Bedeutung der Chirurgie bei Magengeschwüren gegenüber früheren Jahren deutlich zurück gegangen ist, so wird eine Operation noch immer bei einer Vielzahl gutartiger Erkrankungen des oberen Intestinaltrakts benötigt. Hierzu zählen Wandausstülpungen der Speiseröhre (Divertikel), sonstige, meist gutartige Tumore wie GIST oder Leiomyome, oder die Achalasie. 

Bei Zwerchfellbrüchen muss die Operationsindikation und das Verfahren individuell geprüft werden. Das durch die Refluxkrankheit hervorgerufene Sodbrennen kann häufig mit Medikamenten adäquat behandelt werden. Werden die Medikamente nicht vertragen, kommt es zu nächtlichen Hustenattacken oder verlagern sich Magenanteile neben der Speiseröhre in den Brustkorb (paraösophageale Hernie), wird eine Operation erforderlich. Bei diesem Eingriff in minimal-invasiver Technik  wird die Anatomie wieder hergestellt, die Bruchlücke im Zwerchfell versorgt und der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre durch Bildung einer sog. Fundoplicatio verhindert.

Die Darmchirurgie stellt einen wesentlichen Schwerpunkt unserer täglichen Arbeit dar. Etwa 350 Resektionen von Dick-, bzw. Mastdarm, über 250 Blinddarmentfernungen und  ca. 700 sonstige Operationen werden jährlich in diesem Bereich durchgeführt.  

Die Indikationen einer operativen Entfernung eines Darmabschnittes sind vielfältig. Diese reichen von gutartigen Erkrankungen, wie der Divertikelkrankheit, bis hin zur hoch-komplexen operativen Entfernung eines bösartigen Tumors. Das Resektionsausmaß und die Operationstechnik richten sich zum einen nach der Lokalisation und zum anderen nach der Art der Erkrankung. Jede Erkrankung bedarf einer maßgeschneiderten, individuellen Behandlung, welche wir unseren Patienten in vollem Umfang anbieten.

Das Klinikum Lippe verfügt über ausgewiesene Spezialisten und eine technische Ausstattung auf dem neuesten Stand an operativer Technologie, um jeder Erkrankung im Bereich des Dick- und Mastdarms mit der optimalen Therapie zu begegnen. Die meisten Operationen werden minimal-invasiv durchgeführt. Wir haben aber nicht nur die Operation als solche im Blick. Wir begleiten unsere Patienten vom Zeitpunkt des ersten Gespräches in unserer prästationären Sprechstunde bis hin zur Organisation der Zeit nach dem stationären Aufenthalt. Wir sind ein hochmotiviertes Team, bestehend aus Ärzten, Pflegepersonal, Stomatherapeuten, Ernährungsberatern, Physiotherapeuten und Sozialarbeitern, um unseren Patienten zur Bewältigung ihrer Erkrankung zur Seite zu stehen.

Als Viszeralonkologisches Zentrum möchten wir unseren Patienten, insbesondere mit der Diagnose einer bösartigen Erkrankung im Bereich des Dick- oder Mastdarms, ein Höchstmaß an Qualität bieten. Im Klinikum Lippe verfügen wir über den neusten Stand an operativer Technik und garantieren Ihnen hierdurch eine sichere und schonende Therapie. Aufgrund der Komplexität einer Darmkrebserkrankung ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Spezialisten aus anderen Abteilungen der Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie und findet in unserer Klinik tagtäglich statt.

Die Therapie wird stets den individuellen Bedürfnissen angepasst. In günstigen Fällen können auch Tumoroperationen lokal durch transanale mikrochirurgische Eingriffe (TEM) geheilt werden. Komplexe Eingriffe insbesondere bei Tumoroperationen zur adäquaten Tumorentfernung und Schonung der Nervenfunktionen erfolgen routinemäßig unter Verwendung des OP-Roboters (Da Vinci). Durch diese Maßnahmen ist es auch bei schwierigen Verhältnissen nur noch selten erforderlich, dass ein dauerhafter künstlicher Darmausgang angelegt werden muss. Als erstes Klinikum in OWL haben wir bei Darmoperationen die intraoperative Durchblutungskontrolle mittels Fluoreszenzfarbstoffen (ICG) eingeführt. Dies erhöht die Sicherheit, dass die Nahtverbindungen des Darms sicher abheilen.  

Trotz intensiver Bemühung ist es insbesondere im Bereich der Darmchirurgie möglich, dass während Ihren Behandlungen Komplikationen auftreten. Höchstes Augenmerk wird hierbei selbstverständlich auf die Prävention von Komplikationen gelegt, so dass strukturierte und standardisierte Protokolle erarbeitet wurden, welche fortwährend anhand der aktuellen Leitlinien und Lehrmeinung angepasst und verbessert werden. Hieran arbeiten wir jeden Tag mit Hochdruck. Sollte es dennoch zu Komplikationen kommen, gilt es diese frühzeitig zu erkennen, um hieraus die richtigen Folgeschritte abzuleiten.

Typische Indikationen sind: 

  • Darmkrebs
  • Divertikulitis
  • chronisch entzündliche Darmerkankungen und FAP, von Strikturoplastiken bis zur laparoskopischen Entfernung des kompletten Dickdarms mit Pouchbildung
  • Blinddarmentzündung
  • Darmverschluss
  • Slow transit Constipation

Die Proktologie befasst sich mit den Erkrankungen des Enddarms und des Analkanals. Proktologische Erkrankungen sind häufig. Sie reichen von einfachen Abszessen bis hin zu komplexen Störungen bei Inkontinenz oder bösartigen Tumoren. In unserer Klinik werden jährlich etwa 1000 Patienten diesbezüglich in unserer proktologischen Sprechstunde ambulant behandelt und etwa 300 operative Eingriffe durchgeführt. 

Die Diagnostik umfasst stets ein ausführliches Anamnesegespräch und eine körperliche Untersuchung mit Proktoskopie (Spiegelung des Analkanals) und  ggf. Rektoskopie (Spiegelung des Enddarms) . Je nach Bedarf werden von uns spezielle Untersuchungsmethoden wie Endosonographie (Ultraschall des End- und Mastdarms), Analmanometrie (Druckmessung), Dynamische und MR-Defäkographie (Stuhlentleerungsuntersuchung) und Bestimmung der Kolontransitzeit (Hinton Test)durchgeführt oder  in Zusammenarbeit mit der Radiologie veranlasst. 

Im Rahmen des von der  Deutschen Kontinenzgesellschaft zertifizierten  Kontinenzzentrums Lippe erfolgen  Diagnostik und Therapie  komplexer Inkontinenzformen bedarfsweise in enger Abstimmung mit den Kliniken für Urologie und Gynäkologie.  Weiterführende Informationen zum Kontinenzzentrum erhalten Sie hier.

Nach eingehender Untersuchung und in Abwägung des Einzelfalls werden individuelle Behandlungoptionen angeboten. Wir bieten nahezu das gesamte Spektrum der konservativen und operativen Therapiemöglichkeiten an und informieren Sie gerne darüber. Nicht selten werden auch konservative und operative Maßnahmen kombiniert. Das operative Spektrum reicht dabei von konventionellen bis hin zu modernsten Operationsmethoden wie z.B. die Implantation von Sonden zur Sakralnervenstimulation (Beckenbodenschrittmacher). 

Krankheitsbilder

Diese Liste soll Ihnen einen Überblick über proktologische Krankheitsbilder geben:

  • Analfissur
  • Analvenenthrombose
  • Analfisteln und Analabszeß
  • Akne inversa
  • Analcondylome (Feigwarzen)
  • Analprolaps
  • Analtumore inkl. Nachsorge
  • Bösartige Tumore des Enddarms
  • Funktionsstörungen des End- und Dickdarms
  • Gutartige  Tumore des Enddarms
  • Hämorrhoiden
  • Marisken
  • Obstipation (ODS)
  • Perianale Hauerkrankungen
  • Rektumprolaps
  • Steißbeinfistel (Pilonidalsinus)
  • Stuhlinkontinenz ( Zertifizierte Beratungsstelle) 

Die operative Therapie von Erkrankungen der Gallenblase, der Gallenwege und der Leber nimmt mit über 500 Gallenblasenentfernungen und über 50 Leberresektionen jährlich in unserer Klinik einen hohen Stellenwert ein.

Die Volkskrankheit des Gallensteinleidens bedarf immer häufiger der Entfernung der Gallenblase mittels Bauchspiegelung. Hier ist unsere einer der Vorreiter in Bezug auf Operationszahlen und Erfahrung (www.weisse-liste.de). Auch im Falle einer akuten Gallenblasenentzündung ist die Versorgung der Patienten mit der zeitnahen notfallmäßigen Gallenblasenentfernung jederzeit gewährleistet. Die allermeisten Operationen können auch hier in Schlüssellochtechnik durchgeführt werden.

Bei bösartigen Erkrankungen der Gallenwege erfolgt die Therapieplanung in enger Zusammenarbeit mit anderen Kliniken, vor allem der Klinik für Gastroenterologie mit ihrer interventionellen Endoskopie und der Klinik für Onkologie. So können individuelle, an die Bedürfnisse der jeweiligen Patienten angepasste Therapien geplant werden. Jede/r Patient/in wird zuvor in unserem interdisziplinären Tumorboard besprochen. Je nach Tumorlage muss bei bösartigen Erkrankungen der Gallenwege eine Leberresektion, eine Gallengangsresektion oder eine Mitentfernung des Pankreaskopfes erfolgen.

Auch die operative Therapie gutartiger und bösartiger Lebertumore einschließlich Lebermetastasen erfolgt in enger Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen im Rahmen des viszeralonkologischen Zentrums. Durch die Klinik für Radiologie kann vor der geplanten Operation eine ausführliche Bildgebung mittels Computertomographie und Magnet-Resonanz-Tomographie durchgeführt werden um eine genaue Planung des Eingriffes zu ermöglichen. Bei kleinen, eher oberflächlich gelegenen Tumoren kann eine atypische, lebergewebeschonende Resektion erfolgen. Bei eher tiefer gelegenen Tumoren gegebenenfalls die Entfernung eines der beiden Leberlappen. Sollte im Rahmen der Abklärung vor der Operation aufgrund einer sog. Volumetrie der Verdacht entstehen, dass das verbleibende Lebergewebe wegen der Notwendigkeit einer erweiterten Leberresektion nicht ausreicht, um die Entgiftungsfunktion des Körpers aufrecht zu erhalten, wird ggf. ein Pfortaderast entweder operativ oder über eine Art Katheteruntersuchung verschlossen, um das verbleibende Lebergewebe zu vergrößern (Pfortaderligatur) und so die Reservekapazität der Leber erweitert.

Im Rahmen des Traumazentrums betreuen wir traumatische Leberverletzungen zum Beispiel im Rahmen von Verkehrsunfällen oder Sportunfällen. Heutzutage geht dies bei auf das Organ begrenzten Fällen ohne Kapselverletzung meist ohne Operation. Aufgrund der Erfahrung in der Tumoroperation der Leber ist eine notfallmäßige operative Versorgung bei schweren Leberverletzungen jedoch jederzeit routiniert möglich.

Typische Indikationen sind:

  • Gallensteinleiden
  • Gallenblasenentzündung
  • Hunde- und Fuchsbandwurm
  • Gutartige Lebertumore
  • Primäre Leberzell- und Gallengangskarzinome
  • Lebermetastasen
  • Gallenganszysten und Caroli Syndrom

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse stellen hohe Anforderungen an die behandelnden Ärzte sowohl im Bereich der Diagnostik als auch der Therapie. Hierbei ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit  zwischen den Fachdisziplinen besonders wichtig.  

Im Klinikum  Lippe haben wir zur Koordination der Abläufe schon früh ein  Pankreaszentrum in gegründet, welches als erstes in OWL von der Deutschen Krebsgesellschaft als spezialisiertes Zentrum zertifiziert wurde.  Dabei ist nicht nur die reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen (Viszeralchirurgie, Internistische Onkologie, Gastroenterologie, Strahlentherapie, Radiologie) sichergestellt, sondern auch die persönliche Erfahrung  der behandelnden Ärzte und Ärztinnen aufgrund der konstant großen Fallzahlen über viele Jahre hinweg.  

Auch wenn die Operation bei einer Vielzahl von Tumoren der Bauchspeicheldrüse eine zentrale Rolle spielt, kann eine medikamentöse Therapie nach modernsten Konzepten oder auch eine Bestrahlung ergänzend oder für sich genommen erforderlich sein und so schwierigen Situationen für die Patienten bestmögliche Ergebnisse erzielen.  Die individuell beste Therapie wird stets im Rahmen einer interdisziplinären Konferenz erarbeitet. Hierzu ermöglichen wir den Patienten auch die Aufnahme in innovative Therapiestudien.

Nicht bei jedem Tumor der Bauchspeicheldrüse handelt es sich um ein Pankreaskarzinom.  Eine differenzierte Diagnostik ermöglicht es im Vorfeld, das Risikoprofil eines jeden Tumors zu erkennen und hierdurch die beste, Risiko-ärmste und effektivste Therapie einzuleiten.  Oftmals sind Operationen auch gar nicht erforderlich. Wir stehen auch als Zweitmeinungszentrum zur Verfügung. 

Akute Entzündungen der Bauchspeicheldrüse können in den allermeisten Fällen ohne Operation behandelt werden. Auch  chronische Entzündungen werden zumeist konservativ (ohne Operation) behandelt, insbesondere bei chronischen Schmerzen kann aber ein operativer Eingriff die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern.

Erkrankungen, die in unserem Pankreaszentrum behandelt werden, sind insbesondere: 

  • Bauchspeicheldrüsenkarzinom
  • Neuroendokrine Tumore Pankreas
  • Cystische Läsionen, insbesondere die sog. IPMN
  • Akute und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen

Operationen an Schilddrüse und Nebenschilddrüsen, also der Drüsen am Hals bilden den Hauptanteil der endokrinen Chirurgie ab.  Daneben umfasst die endokrine Chirurgie auch Hormon-produzierende Organe im Bereich des Bauches, insbesondere der Nebennieren und der Bauchspeicheldrüse und des Darmes (sog. neuro-endokrine Tumore). 

Durch den medizinischen Fortschritt werden Operationen an der Schilddrüse in den letzten Jahren seltener erforderlich als früher. Eine individuelle Indikationsstellung zur Operation im persönlichen Gespräch unter Berücksichtigung der aktuellen Leitlinien ist hierzu stets die  Grundlage. 

Alle Operationen am Hals werden in unserer Abteilung unter Anwendung einer Lupenbrille und des intraoperativen Neuromonitoring zur Schonung des Stimmbandnervs durchgeführt. Bei Bedarf erfolgt das Neuromonitoring auch kontinuierlich während des gesamten Eingriffs. 

Insbesondere Nebenschilddrüsenoperationen können bei entsprechender Lokalisationsdiagnostik gezielt mit kleinen Schnitten über eine Minizervikotomie erfolgen. Die intraoperative Hormonbestimmung und Schnellschnittuntersuchung bieten dabei neben der Erfahrung des Operateurs die Grundlage einer hohen Erfolgsquote. 

Bei Schilddrüsenkarzinomen wird in Abhängigkeit von der feingeweblichen Differenzierung und dem intraoperativen Befund ggf. eine Erweiterung zur systematischen Lymphadenektomie (K I-III bzw. KI-IV) erforderlich, die Dank der intraoperativen Schnellschnitthistologie unmittelbar im selben Eingriff erfolgen kann. Bei medullären Karzinomen erfolgt eine humangenetische Abklärung eines MEN Syndroms. 

Operationen von Tumoren der Nebenniere werden ganz überwiegend minimal-invasiv (laparoskopisch) durchgeführt.  

Typische Operationsindikationen: 

  • Schilddrüsenvergrößerungen (Knotenstruma)
  • Schilddrüsenüberfunktionen insbes. beim M. Basedow
  • Schilddrüsenkarzinome
  • Überfunktionen der Nebenschilddrüsen (primärer und sekundärer Hyperparathyreoidismus)
  • Nebennierentumore

Hernien gehören zu den häufigsten in der Allgemein- und Viszeralchirurgie behandelten Erkrankungen. Etwa 700 Patienten werden bei uns jährlich an Hernien operiert, davon die Hälfte an Leistenbrüchen. Eine Hernie oder ein „Bruch“ bezeichnet den Austritt von Bauchinnerem durch eine angeborene oder im Laufe des Lebens aufgetretene Lücke des Körpers. So unterscheidet man innere von äußeren Hernien.

Bei inneren Hernien wird die Bruchpforte vom Zwerchfell oder den Eingeweiden selbst gebildet. Dies betrifft am häufigsten die sog. Hiatushernie oder die Treitz-Hernie.

Bei äußeren Hernien wird die Bruchpforte von Lücken in der Muskulatur der Bauchdecke gebildet. Beispiele hierfür sind:

  • Leistenhernie (Hernia inguinalis): Die Leistenhernie ist die häufigste Form der Hernie und ihre operative Versorgung eine der häufigsten Operationen überhaupt: Hier tritt der Bruch durch eine Schwachstelle oberhalb des Leistenbandes, den äußeren Leistenring.
  • Schenkelhernie (Hernia femoralis): ähnlich der Leistenhernien ist hier die Schwachstelle jedoch unterhalb des Leistenbandes gelegen
  • Nabelhernie: die Bruchpforte wird durch eine Muskellücke am Bauchnabel gebildet. Gerade kleine Brüche bieten ein erhöhtes Risiko, dass sich Eingeweideanteile einklemmen
  • Epigastrische Hernie: Hier findet sich die Schwachstelle der Muskulatur in der Mittellinie des Oberbauches zwischen Brustbein und Nabel
  • Narbenhernie: Vor allem nach klassisch offenen Operationen bilden die entstandenen Narben Schwachstellen in der Muskulatur, deren Ränder beim Auseinanderweichen die Bruchpforte bilden

Warum sollte ein Bruch operiert werden?

Die durch die Bruchpforte getretenen Eingeweide können sich einklemmen. Dies ist ungemein schmerzhaft und kann durch Durchblutungsstörungen in dem eingeklemmten Organ zu irreparablen Schäden, beispielsweise am Dünndarm führen. Dies hat neben der Versorgung der Bruchpforte die notfallmäßige Behandlung des eingeklemmten Organs zu Folge. Durch eine frühzeitige und geplante operative Versorgung eines Bruches lassen sich Notfälle und Komplikationen vermeiden, der Umfang der Operation lässt sich begrenzen und die langfristigen Ergebnisse sind besser.

Wie wird operiert?

In den meisten Fällen sollte nicht nur der Bruchinhalt an seinen originären Ort zurück geführt und die Bruchpforte verschlossen werden. Da häufig ein Missverhältnis zwischen Druck von innen und bindegewebiger Schwäche der Bauchwand zum Auftreten der Bruchpforte geführt hat, sollte die Bauchdecke zusätzlich verstärkt werden, um ein Wiederauftreten eines Bruches (Rezidiv) zu vermeiden. Seit 40 Jahren finden hier Polypropylennetze, z.T. mit speziellen Beschichtungen Anwendung, die in Relation zur Muskulatur in verschiedenen Ebenen eingebracht werden. Sind die Netze in die Muskelhaut eingeheilt bieten diese optimale Stabilität und Kraftverteilung, so dass in der Regel direkt nach Operation oder nach abgeschlossener Heilung wieder eine volle körperliche Belastung aufgenommen und auf dauerhafte Schonung verzichtet werden kann.

In unserer Klinik wird der Großteil aller Hernienoperationen minimal-invasiv in „Schlüssellochtechnik“ durchgeführt. Neben besseren kosmetischen Ergebnissen sind die Vorteile dieser Technik vor allem die geringeren Schmerzen, die kürzere Erholungszeit und die frühere Entlassung aus dem Krankenhaus nach Operation. Zur Behandlung komplexerer Brüche steht dennoch auch eine hohe Expertise in der konventionellen Versorgung von Brüchen in unserer Klinik bereit.

Die Klinik ist Teil des Adipositaszentrums Lippe, welches seit 2021 als Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) zertifiziert ist. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Fachkollegen stellen wir eine leitliniengerechte und bedürfnisorientierte Versorgung krankhaft übergewichtiger Patienten sicher.

Sie wollen mehr erfahren? Informieren Sie sich gern hier: Adipositaszentrum Lippe

Die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie ist das Kernfach des Viszeralonkologischen Zentrums Lippe, in dem Chirurgen, Gastroenterologen, internistische Onkologen, Strahlentherapeuten und niedergelassene Ärzte eng zusammenarbeiten.

Als eines von wenigen derartigen Zentren in der Bundesrepublik ist unser Zentrum von der Deutschen Krebsgesellschaft für Behandlungen von Tumorerkrankungen des Magens, des Darms und des Pankreas (Bauchspeicheldrüse) zertifiziert.

Sie wollen mehr erfahren? Informieren Sie sich gern hier: Viszeralonkologisches Zentrum Lippe

| ALLGEMEIN- UND VISZERALCHIRURGIE

Computerassistierte Chirurgie / daVinci(R)-Operationssystem

Rund zwei Millionen Euro investierte das Klinikum Lippe in das computergestützte Operationssystem daVinci(R) Xi(R) der Firma Intuitive Surgical aus Kalifornien. Mit dem computergesteuerten daVinci(R)-Operationssystem werden Nerven und Muskeln optimal erkannt. Somit wird das Verletzungsrisiko dieser sensiblen Strukturen minimiert. Der Operateur steuert über eine Konsole die Instrumente millimetergenau und zitterfrei. Durch ein etwa zehnfach vergrößertes dreidimensionales Bild kann jede kleine Gewebestruktur genau erkannt werden. Die Chirurgen profitieren von überlegener Visualisierung, verbesserter Geschicklichkeit, größerer Genauigkeit und ergonomischem Komfort. Für die Patienten bedeutet dies neben den Vorteilen der präziseren Operation eine geringere Komplikationsrate, eine kürzere Genesungszeit sowie eine deutlich reduzierte Narbenbildung.

Robotiksysteme im OP sind jedoch lediglich ein Werkzeug und nur dann von besonderem Nutzen für den Patienten, wenn die Anwender – also Chirurgen – entsprechend geschult sind. Prof. Dr. Wolfgang Hiller und Dr. Michael Leitz haben beide das EARCS-Zertifikat erhalten und können computergestützte Operationsverfahren in der komplexen Chirurgie des Enddarmkrebses sicher anwenden. Sie erreichen durch die technische Unterstützung eine völlig neue Dimension der Präzision. Tumore im Enddarmbereich können so radikaler und nervenschonender operiert werden. Das hat wesentliche Auswirkungen auf den weiteren Therapieverlauf der Krebserkrankung sowie die Erhaltung der Kontinenz und Lebensqualität des Patienten.

Bilder mit freundlicher Genehmigung der Intuitive Surgical Deutschland GmbH

Über 3.000

stationäre Behandlungen jährlich

Etwa 140

Patientinnen und Patienten mit neu aufgetretenem Darmkrebs versorgen wir jährlich

Auch 20/21

wieder top bewertet