„Ich mache alles – nur keine OP“

Nach der Diagnose Speiseröhrenkrebs entschied sich Wolfgang Benning bewusst gegen eine Operation. An der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL, Campus Klinikum Lippe, fand der 71-Jährige aus Wesel mit der ESORES-Studie einen alternativen Behandlungsweg – und neue Hoffnung.

v.l.n.r.: Dr. Fabian Nimczewski, Patient Wolfgang Benning und Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner (©Klinikum Lippe / Mandy Lange)

Als Wolfgang Benning im August 2025 einen Untersuchungstermin bei seinem Hausarzt vereinbart, fühlt er sich eigentlich gesund. Keine Schmerzen, keine Schluckbeschwerden, kein Gewichtsverlust. Und doch drängt ihn die Angst zum Termin. Zuvor war in seiner Familie Speiseröhrenkrebs diagnostiziert worden – eine Erfahrung, die ihn schließlich selbst zur Untersuchung bewegte. „Ich wollte einfach Gewissheit“, erinnert sich der 71-Jährige aus Wesel.

Die Untersuchung bringt genau die Diagnose, die er befürchtet hatte: Auch bei ihm wird ein Ösophaguskarzinom festgestellt – Speiseröhrenkrebs. Eine Erkrankung, die häufig erst spät erkannt wird, weil Symptome wie Schluckstörungen oder Gewichtsverlust oft erst in fortgeschrittenen Stadien auftreten. Für Wolfgang Benning ist die Diagnose ein Schock. Vor allem, weil er den Krankheitsverlauf seines Bruders hautnah miterlebt hat. Dieser hatte sich für die klassische Behandlung aus Chemotherapie, Operation und anschließender weiterer Therapie entschieden, verstarb aber wenige Wochen nach der OP. Deshalb stand für ihn fest: „Diese Operation möchte ich nicht.“

Die Suche nach einer anderen Behandlungsmöglichkeit führt ihn schließlich ins Internet – und von dort an die Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL, Campus Klinikum Lippe. Hier stößt er auf Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner und auf die sogenannte ESORES-Studie. Diese klinische Studie beschäftigt sich mit einer zentralen Frage moderner Krebsmedizin: Muss jede Patientin und jeder Patient mit Speiseröhrenkrebs nach erfolgreicher Vorbehandlung automatisch operiert werden – oder kann in ausgewählten Fällen auf die große Operation verzichtet werden?

„Die Behandlung von Speiseröhrenkrebs verändert sich derzeit grundlegend“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner, Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL, Campus Klinikum Lippe in Detmold. „Durch moderne Chemo-, Immun- und Strahlentherapien sehen wir bei einigen Patientinnen und Patienten eine komplette Rückbildung des Tumors in der Speiseröhre. Die ESORES-Studie untersucht deshalb, ob wir ausgewählten Betroffenen eine große Operation ersparen können, ohne dabei die Sicherheit dieser Patienten zu gefährden.“

Hintergrund der Studie ist die Beobachtung, dass bei manchen Patientinnen und Patienten nach der Vorbehandlung keine lebenden Tumorzellen mehr nachweisbar sind. Bisher gilt die Operation, an deren aktuellen Therapieleitlinien Höppner ebenfalls beteiligt war, dennoch als Standardtherapie. Die ESORES-Studie untersucht deshalb ein sogenanntes „Active-Surveillance-Konzept“ – also eine engmaschige Überwachung statt sofortiger Operation.

Dafür werden die teilnehmenden Patientinnen und Patienten regelmäßig untersucht. Zum Kontrollprogramm gehören unter anderem Computertomographie, Magenspiegelungen, endoskopischer Ultraschall sowie Gewebeproben. Ziel ist es, mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und nur dann zu operieren, wenn dies tatsächlich notwendig wird.

Genau dieser Ansatz gibt Wolfgang Benning Hoffnung. „Ich habe Prof. Höppner und Dr. Nimczewski im Internet gefunden und nicht mehr lockergelassen“, erzählt er mit einem Lächeln. „Ich habe gesagt: Ich mache alles – nur keine OP.“ Damit beginnt für ihn ein anderer Weg. Er erhält wohnortnah Chemotherapie und Immuntherapie und wird gleichzeitig in das engmaschige Nachsorgeprogramm der ESORES-Studie am Klinikum Lippe eingebunden. Alle drei Monate fährt er nun rund 200 Kilometer von Wesel nach Detmold. Die regelmäßigen Untersuchungen gehören inzwischen fest zu seinem Alltag.

„Das Entscheidende bei diesem Konzept ist die intensive und engmaschige Überwachung“, erklärt Dr. Fabian Nimczewski, Oberarzt der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Wir kontrollieren sehr genau, ob sich erneut Tumorzellen nachweisen lassen. Sollte das der Fall sein, kann gemeinsam mit dem Patienten die Entscheidung für eine Operation immer noch getroffen werden. Dieses Vorgehen bedeutet aber für viele Patientinnen und Patienten eine echte Chance auf mehr Lebensqualität.“

Die Untersuchungen dauern meist ein bis zwei Tage. Nach der Magenspiegelung mit Sedierung darf Wolfgang Benning nicht selbst nach Hause fahren. Seine Partnerin begleitet ihn deshalb häufig nach Detmold. „Ich fühle mich hier wirklich gut aufgehoben“, sagt er. „Das Personal ist unglaublich freundlich und zuvorkommend.“

Heute, rund neun Monate nach Beginn seiner Behandlung, ist vom Krebs nichts mehr nachweisbar. „Der Krebs ist weg“, sagt Benning ruhig. Zweifel an seiner Entscheidung gegen die Operation habe er bis heute keine. Er sagt: „Für mich war das genau der richtige Weg.“

Seine Lebensqualität ist geblieben, aber sein Alltag hat sich verändert. Heute achtet er stärker auf sich selbst. Vor allem seine Ernährung hat er umgestellt. „Früher mochte ich nichts Grünes“, erzählt er lachend. „Heute esse ich deutlich gesünder.“ Die Krankheit hat ihn verändert. Stundenlang habe er recherchiert, medizinische Fachbegriffe gelernt und sich intensiv mit seiner Erkrankung beschäftigt. „Mittlerweile bin ich fast selbst Professor“, sagt er lächelnd. Trotz aller Ernsthaftigkeit blickt er positiv in die Zukunft. Die regelmäßigen Kontrollen geben ihm Sicherheit. Die Angst sei nie ganz verschwunden, aber sie bestimme sein Leben nicht. „Bis jetzt war immer alles unauffällig“, sagt er. „Und ich hoffe natürlich, dass das so bleibt.“

Speiseröhrenkrebs zählt zu den vergleichsweise seltenen, aber besonders aggressiven Tumorerkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich rund 8.000 Menschen neu an einem sogenannten Ösophaguskarzinom. Medizinisch werden dabei zwei Hauptformen unterschieden: das Plattenepithelkarzinom, das häufig mit Rauchen und Alkoholkonsum in Verbindung gebracht wird, sowie das Adenokarzinom, das oft durch chronischen Reflux, also dauerhaftes Sodbrennen, und Übergewicht begünstigt wird. Besonders die Zahl der Adenokarzinome ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen.

Gerade deshalb gewinnt die Forschung zu neuen Behandlungsmöglichkeiten zunehmend an Bedeutung. An der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL, Campus Klinikum Lippe, werden moderne Therapiekonzepte und klinische Studien gezielt in die Patientenversorgung eingebunden.

„Die Behandlung von Speiseröhrenkrebs verändert sich derzeit grundlegend“, betont Prof. Dr. Jens Höppner. Moderne Therapieansätze eröffneten heute Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren kaum denkbar gewesen seien. Er ergänzt: „Klinische Studien sind ein wichtiger Bestandteil moderner Universitätsmedizin. Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten schon heute innovative und zugleich möglichst schonende Therapiekonzepte zugänglich zu machen.“

Für Wolfgang Benning zählt am Ende vor allem eines: Lebensqualität. „Ich kann meinen Alltag ganz normal leben“, sagt er. „Und dafür bin ich einfach dankbar.“

Informationen zur ESORES-Studie am Klinikum Lippe

Weltpankreastag am 20. November 2025
Gemeinsam gegen den „stillen“ Krebs

Gruppenfoto

Patient Serdal Cingöz (Mitte) ist Oberarzt Dr. Fabian Nimczewski (links) und Klinikdirektor Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner (rechts) dankbar für die fachliche Expertise und menschliche Begleitung.
(Foto: Klinikum Lippe / Christian Ritterbach)

Als sich Serdal Cingöz mit einem Tumor der Gallenwege im Klinikum Lippe vorstellte, war zunächst nicht absehbar, welche Folgen die Krebserkrankung bereits hatte. Erst während der Operation brachte die Schnellschnittdiagnostik die entscheidende Erkenntnis: Der Tumor hatte den Kopf der Bauchspeicheldrüse infiltriert.

Für das Team um Prof. Dr. Jens Höppner und Dr. Fabian Nimczewski hieß das: sofort handeln, gemeinsam entscheiden und präzise operieren. Die Chirurgen erweiterten den Eingriff noch während der laufenden Operation und entfernten zusätzlich den Bauchspeicheldrüsenkopf. Am Ende gelang es, den Tumor vollständig zu entfernen.

Serdal Cingöz wird auch nach der Operation in der spezialisierten Pankreassprechstunde betreut. Trotz der belastenden Diagnose zeigt er sich dankbar und erleichtert – vor allem für die Kombination aus fachlicher Expertise, enger interdisziplinärer Abstimmung und der menschlichen Begleitung durch das gesamte Team.

Bauchspeicheldrüsenkrebs, das sogenannte Pankreaskarzinom, gilt als besonders tückisch, da er häufig erst spät Beschwerden verursacht und in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. „Die Erkrankung verläuft lange unauffällig – deshalb ist eine frühe und präzise Diagnostik entscheidend“, erklärt Prof. Dr. Jens Höppner, Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Lippe. „Im Pankreaszentrum Lippe in Detmold setzen wir modernste bildgebende Verfahren und endoskopische Techniken ein, um Tumoren so früh wie möglich zu erkennen und gezielt zu behandeln.“

Das Pankreaszentrum Lippe ist Teil des Onkologischen Zentrums am Klinikum Lippe und zeichnet sich durch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit aus. Gastroenterologen, Radiologen, Onkologen, Chirurgen und Strahlentherapeuten arbeiten hier Hand in Hand. In wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenzen („Tumorboard“) werden alle Befunde gemeinsam besprochen und für jede Patientin und jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Ein besonderes Angebot ist die Spezialsprechstunde für Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, die immer mittwochs unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Höppner und Oberarzt Dr. Fabian Nimczewski stattfindet. Hier werden Betroffene umfassend beraten – von der Diagnostik über die operative Therapie bis hin zur Nachsorge.

Ein Schwerpunkt des Pankreaszentrums Lippe liegt auf der parenchymsparenden, minimalinvasiven Operationstechnik. Dabei wird der Tumor gezielt entfernt, während gesundes Bauchspeicheldrüsengewebe erhalten bleibt. „Diese Technik ermöglicht es uns, die Funktion der Bauchspeicheldrüse weitgehend zu erhalten und postoperative Komplikationen wie Diabetes zu vermeiden“, erläutert Dr. Nimczewski. „Zudem profitieren unsere Patientinnen und Patienten von einem geringeren Operationstrauma und können das Krankenhaus oft schon nach wenigen Tagen wieder verlassen.“

Neben der klinischen Versorgung engagiert sich das Pankreaszentrum Lippe auch in der wissenschaftlichen Forschung und im regionalen Austausch mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Regelmäßige Symposien dienen dem Wissenstransfer, der Fortbildung und der Stärkung des medizinischen Netzwerks in der Region Lippe.

Am Weltpankreastag steht jedes Jahr ein Organ im Mittelpunkt, das meist erst dann Aufmerksamkeit erhält, wenn es ernst wird: die Bauchspeicheldrüse. Unter dem Motto „Aufklärung rettet Leben“ machen Ärztinnen und Ärzte am 20. November weltweit auf den Bauchspeicheldrüsenkrebs aufmerksam – eine der aggressivsten Tumorerkrankungen überhaupt. Dem Team um Prof. Höppner ist Aufklärung über dieses Thema deshalb besonders wichtig. „Unser Ziel ist es, Betroffenen die bestmögliche, moderne und zugleich menschliche Medizin zu bieten“, betont er. „Der Weltpankreastag erinnert uns jedes Jahr daran, wie wichtig Aufklärung, Früherkennung und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind – damit mehr Menschen mit dieser Erkrankung eine Chance auf Heilung haben.“

Klinikum Lippe erneut mit Spitzenmedizin in FOCUS-Ärzteliste vertreten

FOCUS Gesundheit: 18 Auszeichnungen für herausragende medizinische Expertise

Das Klinikum Lippe gehört erneut zu den besten medizinischen Einrichtungen in Deutschland. In der aktuellen Ausgabe des Magazins FOCUS Gesundheit – Die große Ärzteliste 2025 wurden gleich acht Medizinerinnen und Mediziner des Hauses für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet. Insgesamt unterstreichen 18 Empfehlungen in verschiedenen Fachgebieten die hohe Kompetenz des Klinikums.

„Diese Auszeichnungen bestätigen das hohe medizinische Niveau und das Engagement unserer Expertinnen und Experten“, sagt die Medizinische Geschäftsführerin Dr. Christine Fuchs. „Wir sind stolz auf das Vertrauen, das Patientinnen und Patienten sowie Zuweiser in unser Klinikum setzen.“

Die FOCUS-Ärzteliste basiert auf unabhängigen Recherchen, Empfehlungen von Fachkollegen, Patientenbewertungen sowie der Auswertung von Publikationen und Studien. In der aktuellen Ausgabe vertreten sind folgende Ärztinnen und Ärzte in den jeweiligen Bereichen (in alphabetischer Reihenfolge):


Prof. Dr. Beyhan Ataseven

Direktorin der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

In der FOCUS-Ärzteliste ausgezeichnet für:

  • Gynäkologische Operationen
  • Gynäkologische Tumoren
  • Brustkrebs


Dr. Ahmad Bransi

Chefarzt am Institut für Psychoonkologie

In der FOCUS-Ärzteliste ausgezeichnet für:

  • Depressionen
  • Suchterkrankungen
  • ADHS


Dr. Corinna Bryan

Chefärztin der Geburtshilfe an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

In der FOCUS-Ärzteliste ausgezeichnet für:

  • Risikogeburt und Pränataldiagnostik


Dr. Christoph Friedrich

Direktor der Klinik für Geriatrie

In der FOCUS-Ärzteliste ausgezeichnet für:

  • Akutgeriatrie


Prof. Dr. Jens Höppner

Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

In der FOCUS-Ärzteliste ausgezeichnet für:

  • Hepatologie und Leberchirurgie


Dr. Dr. Ulrich Preuss

Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

In der FOCUS-Ärzteliste ausgezeichnet für:

  • ADHS
  • Angst- und Zwangsstörungen
  • Essstörungen


Prof. Dr. Johannes J. Tebbe

Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie und Infektiologie

In der FOCUS-Ärzteliste ausgezeichnet für:

  • Infektiologie
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Gastroenterologie und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)


Prof. Dr. Christoph Redecker

Direktor der Universitätsklinik für Neurologie und Neurogeriatrie

In der FOCUS-Ärzteliste ausgezeichnet für:

  • Demenzen
  • Parkinson
  • Akutgeriatrie

Gemeinsam stark gegen Krebs
Experten-Telefon am Weltkrebstag

Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar 2025 bietet das Onkologische Zentrum Lippe gemeinsam mit der Krebsberatungsstelle des Kreis Lippe eine Telefonaktion an. Unter dem Motto „Gemeinsam stark gegen Krebs“ stehen Expertinnen und Experten von 12 bis 15 Uhr telefonisch zur Verfügung, um individuelle Fragen rund um verschiedene Krebserkrankungen, deren Prävention und Unterstützung zu beantworten. Gemeinsam wollen Kreis und Klinikum damit ein Zeichen im Kampf gegen Krebs setzen.

Am Dienstag, 4. Februar haben Betroffene, Angehörige und Interessierte die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an ein Team aus erfahrenen Fachärzten, Psychologen und Beratern zu richten. Die Expertinnen und Experten nehmen sich Zeit, um auf individuelle Anliegen einzugehen und Unterstützung anzubieten. Alle Anrufe werden selbstverständlich vertraulich behandelt.

Experten-Telefon 04.02.2025, 12 bis 15 Uhr

Telefon 05231 72-2222 Onkologisches Zentrum Lippe
Für Fragen an Ärztinnen und Ärzte des Klinikums Lippe rund um Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Krebserkrankungen inklusive psychoonkologischer Fragen und Möglichkeiten der Strahlentherapie.

Telefon 05231 62-7724 oder -7725 Krebsberatungsstelle Kreis Lippe
Für Fragen zu psychoonkologischer Beratung und Begleitung bspw. beim Erleben von Heraus- und Überforderungen durch die Krankheit, dem Erarbeiten neuer Perspektiven sowie Unterstützung bei der Suche nach Psychotherapieangeboten oder Selbsthilfegruppen.

Onkologisches Zentrum Lippe

Das zertifizierte Onkologische Zentrum Lippe erstreckt sich über die Klinikstandorte Detmold und Lemgo. Man könnte es als Dach für die verschiedenen Organkrebszentren bezeichnen. Hier werden Tumorerkrankungen mit Hilfe von Leitlinien und Definitionen der Fachgesellschaften behandelt. Es ist die vorrangige Aufgabe des Onkologischen Zentrums, Synergien zwischen den einzelnen Organkrebszentren und klinischen Strukturen zu schaffen und positiv zu beeinflussen. Die einzelnen Partner bilden gemeinsam das Fundament und die tragenden Säulen des Onkologischen Zentrums Lippe.

Zertifizierte Organkrebszentren des Onkologischen Zentrums Lippe sind:

  • Brustzentrum Lippe
  • Gynäkologisches Krebszentrum Lippe
  • Zentrum für Hämatologische Neoplasien Lippe
  • Hautkrebszentrum Lippe
  • Lungenkrebszentrum Lippe
  • Uroonkologisches Zentrum Lippe
  • Viszeralonkologisches Zentrum Lippe

Ambulante Psychosoziale Krebsberatungsstelle Kreis Lippe

Die Ambulante Psychosoziale Krebsberatungsstelle beim Kreis Lippe bietet Beratung und Unterstützung

  • zu sozialrechtlichen Fragen, praktischen und finanziellen Hilfen
  • zu medizinischer und beruflicher Rehabilitation
  • zu ambulanter oder stationärer Nachsorge und zu Patientenrechten
  • zu Krebs als Berufserkrankung
  • zum Schwerbehindertengesetz
  • bei der Erklärung medizinischer Fachbegriffe sowie bei Fragen zur Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Weltkrebstag

Der Weltkrebstag dient jedes Jahr am 04.02. dazu, das Bewusstsein für Krebserkrankungen zu stärken, auf Prävention hinzuweisen und Betroffene sowie Angehörige zu unterstützen. Rund 500.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland neu an Krebs. Ungefähr 4 Millionen Menschen leben mit der Krankheit. Circa 40 Prozent aller Krebsfälle könnten laut Experten durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden.

Hohe Heilungsrate in der Therapie des Speiseröhrenkrebs

Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner, Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Campus Klinikum Lippe des Universitätsklinikums OWL, forscht mit seinem Team zur Verbesserung der Therapie des Speiseröhrenkrebses.

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die Therapieaussichten bei der Diagnose Speiseröhrenkrebs eher schlecht. Die Überlebensrate der Patientinnen und Patienten betrug nur circa 20 Prozent. Dank innovativer Forschung und neuer Therapiekonzepte hat sich diese Prognose inzwischen deutlich verbessert. Prof. Dr. Jens Höppner, der seit 2024 die Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL leitet, hat mit seiner Forschung maßgeblich zu diesen Entwicklungen beigetragen.

Ein schleichender Schmerz beim Schlucken, unerklärliche Gewichtsabnahme und anhaltendes Sodbrennen – all das sind Symptome, die oft zu spät ernst genommen werden. So erging es auch Michael K.*, einem 57-jährigen Lehrer, der lange Zeit dachte, es handele sich nur um gelegentliche Verdauungsprobleme. Als die Beschwerden zunahmen, suchte er Hilfe und erhielt am Klinikum Lippe die Diagnose Speiseröhrenkrebs. (*Name geändert)

Speiseröhrenkrebs, in der Fachsprache Ösophaguskarzinom genannt, ist weltweit auf dem Vormarsch. Besonders das Adenokarzinom, eine Krebsvariante, die in den Drüsenzellen beginnt, tritt häufiger auf. Diese Zellen produzieren normalerweise Schleim oder andere Flüssigkeiten. Beim Adenokarzinom wachsen die Zellen aber unkontrolliert und bilden einen Tumor. In der Speiseröhre entsteht das Adenokarzinom oft durch ständigen Reiz, zum Beispiel durch aufsteigende Magensäure. Es ist eine der häufigeren Formen von Speiseröhrenkrebs, insbesondere in Nordamerika und Westeuropa und wird auch als „Wohlstandskrebs“ bezeichnet.

Früher war die chirurgische Entfernung des Tumors die alleinige Behandlung. Doch neue Studien zeigen, dass die Kombination von Chemotherapie und Operation deutlich bessere Ergebnisse liefert. Prof. Dr. Jens Höppner leitet die ESOPEC-Studie, die zwischen 2016 und 2023 durchgeführt wurde und an der 438 Patientinnen und Patienten teilnahmen. Die Ergebnisse sind wegweisend: Eine Chemotherapie vor und nach der Operation erhöht die Überlebensrate auf mehr als 57 Prozent, während eine Operation und die Kombination mit Bestrahlung deutlich geringere Erfolge zeigen. Die Studienergebnisse stellen einen internationalen Meilenstein für die Krebsbehandlung dar und wurden in der weltweit einflussreichsten medizinischen Fachzeitschrift, dem „New England Journal of Medicine“, im Januar 2025 veröffentlicht.

Für den Patienten Michael K. war nach ausführlicher Aufklärung und Beratung die Entscheidung daher klar: Er wurde nach dem neuen Schema behandelt. Heute ist er krebsfrei. „Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, von dieser Methode zu profitieren,“ sagt er.

Besonders bemerkenswert: Bei 17 Prozent der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer war nach der Chemotherapie gar kein Tumor mehr nachweisbar. Das bedeutet, dass eine Operation in einigen Fällen gar nicht mehr notwendig war. Doch wie erkennt man, wer auf die Operation verzichten kann? Prof. Dr. Höppner und sein Team arbeiten weiter intensiv an dieser Frage und suchen nach Biomarkern oder anderen diagnostischen Methoden, um diese Patientengruppe schon vor der Operation zu identifizieren. Eine neue, vom Bundesforschungsministerium geförderte Studie der Universität Bielefeld soll weitere Erkenntnisse liefern und die Therapie des Speiseröhrenkrebses noch präziser und schonender gestalten.

Am Campus Klinikum Lippe des Universitätsklinikums OWL in Detmold werden alle Patientinnen und Patienten mit Speiseröhrenkrebs mit den modernen und erfolgreichsten Therapieprotokollen behandelt. Die robotische Operation beispielsweise ist hier ein Routineeingriff. Die Patienten haben die Möglichkeit, durch die Teilnahme an klinischen Studien auch von den neusten erfolgversprechenden Behandlungen zu profitieren. Das Team der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Lippe unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Höppner bietet Patientinnen und Patienten hierfür eine persönliche Beratung in der Spezialsprechstunde für Speiseröhrenerkrankungen an. Termine können telefonisch unter 05231 72-1151 vereinbart werden.

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