Europaweit erste Operation mit innovativen Force-Feedback-Instrumenten
Sehen, steuern und jetzt auch spüren: Klinikum Lippe setzt brandneue Technologie in der robotischen Chirurgie ein
Europaweit erste Operation mit innovativen Force-Feedback-Instrumenten in der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
07.10.2026. Sehen, steuern und jetzt auch spüren: Das Klinikum Lippe erweitert die Möglichkeiten der robotisch assistierten Chirurgie. Am 7. Oktober 2026 hat das Team der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie als eine der ersten Kliniken in Europa eine Operation mit den neuen Force-Feedback-Instrumenten am da Vinci 5 durchgeführt. Die innovative Technologie ermöglicht es den Operateurinnen und Operateuren, die auf das Gewebe einwirkenden Kräfte während eines Eingriffs unmittelbar wahrzunehmen.
Wenn ein Chirurg das Skalpell ansetzt, spürt er genau, welchen Druck er auf das Gewebe ausüben muss. Dies ist ab sofort auch bei robotisch assistieren Operationen möglich. Spezielle Sensoren in den Instrumenten erfassen Druck-, Zug- und seitlich wirkende Kräfte in Echtzeit. Diese werden über die Handsteuerung an der Konsole des da Vinci 5 übertragen. Zusätzlich zeigt das System die ausgeübte Kraft während des Eingriffs visuell an. Die Sensoren erfassen die auftretenden Kräfte rund eintausend Mal pro Sekunde.
Damit ergänzt Force Feedback die bislang vor allem visuell geprägte robotische Chirurgie um eine zusätzliche Informationsebene. Chirurginnen und Chirurgen können das Operationsgebiet nicht nur hochauflösend, dreidimensional und vergrößert sehen, sondern erhalten zugleich eine direkt spürbare Rückmeldung darüber, welche Kräfte sie mit den Instrumenten auf das Gewebe ausüben.
„Mit Force Feedback bekommen wir während der Operation eine zusätzliche Information, die für uns Chirurginnen und Chirurgen sehr wertvoll ist. Wir können unmittelbar wahrnehmen, welche Kräfte wir mit den Instrumenten auf das Gewebe ausüben. Das unterstützt uns dabei, unsere Bewegungen noch kontrollierter und differenzierter einzusetzen“, sagt Dr. Michael Leitz, Leitender Arzt und Bereichsleiter Robotische Chirurgie der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.
Er hat am 7. Oktober 2026 den ersten Patienten in Europa mit dem neuen System operiert und bestätigt, „Die haptische Komponente des Da Vinci-Systems ist ein wichtiger Entwicklungsschritt in der robotischen Chirurgie. Wir haben heute mit der neuen Methode eine rechtsseitige Hemikolektomie – also eine Entfernung des rechten Dickdarmabschnittes – durchgeführt. Bei dieser Operation wird der vom Tumor betroffene Darmbereich mit dem gesamten Lymphabflussgebiet entfernt. Dann müssen die Darmenden wieder miteinander verbunden werden. Mit den Force Feedback-Instrumenten war insbesondere die Naht subjektiv besser umzusetzen als bei der herkömmlichen Robotik.“

Das OP-Team nach dem ersten Einsatz der Force Feedback-Instrumente am DaVinci im Klinikum Lippe. (© Klinikum Lippe)
Robotisch assistierte Chirurgie ist am Klinikum Lippe bereits seit Jahren etabliert. Mit insgesamt vier da-Vinci-Operationssystemen an den Klinikstandorten Detmold und Lemgo verfügt das Klinikum Lippe über eine umfangreiche technische Ausstattung für robotisch assistierte Eingriffe. Neben der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie nutzen auch die Universitätsklinik für Urologie, die Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie die Klinik für Thoraxchirurgie die Systeme für spezialisierte Operationen.
Am Klinikum Lippe wurden mit Unterstützung des DaVinci-Systems im Jahr 2026 bis Oktober insgesamt 877 operative Eingriffe durchgeführt. Die Nachfrage durch die Patienten für diese Operationstechnik steigt. In der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie werden inzwischen nahezu alle gängigen Operationen robotisch assistiert durchgeführt. Dazu gehören unter anderem Eingriffe an Magen, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Leber und Gallenblase sowie die Versorgung von Bauchwandbrüchen.
„Die robotische Chirurgie hat uns bislang vor allem eine hervorragende dreidimensionale Sicht und eine sehr präzise Instrumentenführung ermöglicht. Mit Force Feedback kommt jetzt eine entscheidende Dimension hinzu: Wir erhalten eine unmittelbare Rückmeldung darüber, wie viel Kraft auf das Gewebe wirkt. Gerade bei komplexen Operationen und der Präparation empfindlicher Strukturen ist das ein wichtiger technologischer Fortschritt. Gleichzeitig entstehen objektive Daten, die wir für die Analyse von Eingriffen, die chirurgische Weiterbildung und perspektivisch auch für wissenschaftliche Fragestellungen nutzen können“, sagt Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner, Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.
Die neuen Force Feedback-Instrumente haben im September 2026 die CE-Kennzeichnung für den europäischen Markt erhalten. Bislang waren sie in Japan und den USA im Einsatz.


Klinikum Lippe