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Autor: Klinikum Lippe
Stand: 19.06.2019


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Neue Therapie in der Prostatakarzinom Behandlung

Das Prostatakarzinom ist mit 25,4 % aller diagnostizierten Krebserkrankungen die häufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland. Jährlich erkranken etwa 58.000 Männer in Deutschland neu an diesem Tumor.

Bei den tödlich verlaufenden Tumorerkrankungen bei Männern steht das Prostatakarzinom mit 10,1 % in Deutschland an dritter Stelle, bei der Betrachtung aller Todesursachen an siebter Stelle. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren. In Deutschland sterben pro Jahr etwa 12.000 Patienten an den
Folgen eines Prostatakarzinoms. Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil der über 60-
Jährigen in der Bevölkerung voraussichtlich auf ca. 28 Millionen Männer anwachsen
(37 %) und damit doppelt so hoch sein wie heute.  Daher ist die Früherkennung und konsequente Behandlung der Erkrankung sehr wichtig. Auch wenn der Krebs gestreut hat, ist durch Entzug der männlichen Hormone sehr oft ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Schwierig wird die Behandlung dann, wenn die Tumorabsiedlungen (Metastasen) nicht mehr auf den Hormonentzug reagieren und trotzdem weiter wachsen. Die Tumorzellen haben sich im Verlauf der Erkrankung „entdifferenziert“, das heißt, sie sind dem Ursprungsgewebe der Prostata unähnlich geworden und brauchen für ein Wachstum keine Hormone mehr. Bei Patienten mit Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium findet leider häufig eine Tumorabsiedlung in den  Knochen statt. Einzelne Läsionen lassen sich dann mit einer externen Bestrahlung behandeln, aber ein Befall an vielen Stellen im Skelettsystem ist schwer zu behandeln.

Seit November 2013 ist das Medikament Xofigo® der Firma Bayer auch in Europa zugelassen. Als erste Klinik in Ostwestfalen-Lippe  hat das Klinikum Lippe  (Klinik für Nuklearmedizin am Standort Lemgo) in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung in Detmold die Umgangsgenehmigung für dieses innovative Medikament erhalten.

Vom Prinzip her handelt es sich bei der Behandlung mit Xofigo® um eine medikamentöse Strahlentherapie. Die Strahlung wird also nicht von außen auf den Tumor geschickt, sondern kommt von innen. Xofigo® oder Radium-223-Dichlorid verhält sich im Körper wie Calcium. Calcium wird durch den Stoffwechsel in den Knochen eingebaut und zwar besonders dort, wo der Umbau des Knochens gesteigert ist. Absiedlungen des Prostatakarzinoms haben die Eigenschaft, eine starke Reaktion im Knochen hervorzurufen, also einen starken Umbau anzuregen. Das führt dazu, dass sich das radioaktive Medikament insbesondere am Rand der Herde anreichert und so zu einer gezielten Bestrahlung der Metastasen führt. Bei Xofigo® handelt es sich um das erste  Medikament in der klinischen Medizin, das sogenannte Alphastrahlung aussendet. Alphastrahlung gibt sehr viel Energie an die unmittelbare Umgebung ab, was zu einer starken Wirkung führt. Vorteilhaft ist auch, dass die Strahlung im Körper nur eine sehr geringe Reichweite hat, so dass gesundes Gewebe in der Umgebung weitestgehend geschont wird.

Die Firma Bayer hat das Medikament vor der Zulassung in einer Studie an über 900 Patienten getestet, von denen 2/3 das Medikament und 1/3 ein Placebo erhielten. Es zeigte sich ein längeres Überleben der Patienten, die Xofigo® erhielten,  im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Darüber hinaus traten in der Gruppe, die das Medikament bekamen, signifikant weniger Komplikationen der Knochenmetastasierung auf. Deutlich weniger Patienten erlitten durch die Metastasen ausgelöste Knochenbrüche und auch eine zusätzliche Schmerzbestrahlung war seltener erforderlich. Die Befragung der Patienten zeigte auch, dass die Lebensqualität der Patienten in der Behandlungsgruppe besser war.

Eine Behandlung mit Xofigo® ist nur bei Patienten mit einem Prostatakarzinom indiziert, die schmerzhafte Knochenmetastasen haben und bei denen die Behandlung durch Hormonentzug nicht mehr wirkt. Andere Organmetastasen des Prostatakarzinoms können nicht mit Xofigo®  behandelt werden. Die Indikationsstellung für die Behandlung erfolgt durch den behandelnden Urologen oder Onkologen. Danach wird zunächst mit einer Skelettszintigraphie, einer nuklearmedizinischen Untersuchung, überprüft, ob die Tumorabsiedlungen auch zu einer starken Reaktion im Knochen führen. Vereinfacht kann man sagen, dass Metastasen, die sich in der Skelettszintigraphie gut zeigen, auch gut mit Xofigo® zu behandeln sind. Die Kosten für die Behandlung werden auf Antrag von der Krankenversicherung übernommen. Im Einzelfall wird von der zuständigen Krankenkasse überprüft, ob die Voraussetzungen für die Behandlung gegeben sind.

Die praktische Durchführung der Behandlung ist sehr einfach. Die betroffenen Patienten erhalten sechsmal im Abstand von vier Wochen eine intravenöse Injektion. Diese dauert nur wenige Minuten. Da die Behandlung ambulant durchgeführt wird, können die Patienten unmittelbar danach das Krankenhaus wieder verlassen.

In Zusammenarbeit der Kliniken für Urologie, Onkologie und Nuklearmedizin ist es dem Klinikum Lippe als erste Klinik auch überregional gelungen, diese innovative Therapie für betroffene Patienten schnellst möglich verfügbar zu machen.

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